Hellas
1907Lustig kommt das Schiff geschwommen, Hat manch’ fernen Strand geküßt; Neuer Gast, sei uns willkommen! Schöner Fremdling, sei gegrüßt;
Trägst ein Röcklein schmuck von Eichen, Das manch’ blanke Spang’ umfaßt, Trägst ein gutes Wanderzeichen, Deinen Strauß: die Flagg’ am Mast!
Sei gegrüßt in diesen Wogen, Hellas’ Flagge, blau und weiß! Blau gleichwie des Himmels Bogen, Und wie seine Wolken weiß!
Sieht man deinen Himmelsfarben Doch den theuren Kauf nicht an, Wie viel Helden für dich starben, Wie viel Blutes für dich rann!
Ahnt im Blau der Himmelskläre Ihr das Frühroth, dem’s entstammt? Und im stillen blauen Meere, Wie es jüngst im Sturm geflammt?
Sieh das Schiff geschaukelt linde, Mit den Wimpeln fächelnd mild, Gleich der Wiege heit’rem Kinde, Das mit bunten Bändern spielt!
Horch, was brausen jetzt für Lieder? Ist es eines Menschen Sang? Oder naht ein Sturm uns wieder, Dem der schwarze Fittig klang?
Ha, das sind der Helden Lieder, Ha, das ist hellen’scher Sang! Und wohl naht der Sturm auch wieder, Aufbeschworen von dem Klang!
Denn er donnert, wie’s von tausend Klephtenbüchsen einst erscholl, Wie von allen Bergen brausend Einst der Ruf der Freiheit schwoll!
Und er klingt wie Schwerterklirren, Hallt wie eh’rner Männer Gang, Rauscht, wie wenn die Brander schwirren Durch die Nacht erwartungbang.
Jetzt des Todesengels Fächeln Ueber jener heil’gen Schaar! Jetzt des Türken letztes Röcheln, Schon belauscht vom Leichenaar!
Jetzt Gedröhn, wie wenn die Feste Auffliegt mit gesprengtem Wall! Wie der heil’gen Tempelreste Grauser, thränenwerther Fall!
Hellas, hast gut angeklungen Mit den Zungen, mit dem Schwert! Wahrlich, wer solch Lied gesungen, Ist wohl auch der Freiheit werth!
Stolz und herrlich schwebt dir wieder Des Gesanges Schiff heran, Wehte nur vom Borde nieder Nicht die schwarze Trauerfahn’!
Wär’s mit Leichen nicht beladen! Zög’ durch jeglich Tau nur nicht Jener rothe blut’ge Faden, Wie ihn Brittenbrauch sonst flicht!
Sänger, laß dein Antlitz schauen! Du bist’s, Knabe, lockenreich? Ei, wie kommt dies Lied voll Grauen Aus den Lippen zart und weich?
Gleich als ob ein Aar sich schwänge Aus dem Lilienkelch empor! Gleich als ob ein Leue spränge Aus der Rosenlaube vor!
Lerne statt des Blutlieds, Junge, Lieder, dir an Anmuth gleich, Noch geschmeidig ist die Zunge, Und die Lippen sind noch weich.
Sing’, o Hellas, andre Weisen, Lehr’ dein Kind ein ander Lied, Von dem Kampf, in den das Eisen Gen die spröde Scholle zieht!
Laß es klingen, wie im Thale Deiner Schnitter Sichelklang, Wie der Becher Ton beim Mahle, Wie von Bergen Winzersang!
Laß es rauschen, wie am Strome Und in Häusern rauscht dein Fleiß, Laß es hallen, wie im Dome Der Gemeinde Dank und Preis!
Säuselnd wie das Blattgewebe Jenes Kranzes dichtbelaubt, Welchen Oelbaum, Lorbeer, Rebe Schlingen, Hellas, um dein Haupt.
Knabe, dann einst steuerst wieder Du als Greis wohl gen das Land, Singst die neuen schönern Lieder Unsern Enkeln vor am Strand.
Manch ein Sang voll Segensbornes Deinem Munde dann entglüht, Wie die junge Aehre Kornes Zwischen zweien Lippen blüht!
Dich umklingt gleich altem Baume Gold’ner Bienlein Liederschaar, Du auch weißt’s, in deinem Raume Quillt’s von Honig süß und klar.
Und die Lieblichkeit der Lieder Ueberglänzt dein Antlitz, Greis, Wie auf Taygetos hernieder Morgenroth um schimmernd Eis.
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Interpretation
Das Gedicht "Hellas" von Anastasius Grün ist eine Ode an Griechenland und seine Geschichte. Der Dichter begrüßt ein Schiff, das die griechische Flagge trägt, und preist die Schönheit und Bedeutung dieser Flagge. Er erinnert an die Helden, die für die Freiheit Griechenlands gestorben sind, und an den blutigen Kampf um die Unabhängigkeit. Das Gedicht wechselt zwischen der Bewunderung für die Flagge und den düsteren Erinnerungen an den Krieg. Es endet mit der Hoffnung auf eine friedlichere Zukunft, in der die Lieder Griechenlands nicht mehr vom Kampf, sondern von der Arbeit und der Natur handeln. Das Gedicht beginnt mit einer fröhlichen Begrüßung des Schiffes, das die griechische Flagge trägt. Der Dichter preist die Schönheit der Flagge und vergleicht ihre Farben mit dem Himmel und den Wolken. Er erinnert daran, dass viele Helden für die Flagge gestorben sind und dass viel Blut für sie vergossen wurde. Das Gedicht wechselt dann zu einem düsteren Ton, als der Dichter die Lieder hört, die vom Schiff kommen. Er vergleicht diese Lieder mit dem Klang von Waffen und dem Donner von Schlachten. Er erinnert an die Heldentaten der griechischen Freiheitskämpfer und den blutigen Kampf um die Unabhängigkeit. Das Gedicht endet mit der Hoffnung auf eine friedlichere Zukunft. Der Dichter wünscht sich, dass die Lieder Griechenlands nicht mehr vom Kampf, sondern von der Arbeit und der Natur handeln. Er stellt sich vor, wie ein alter Mann, der einst als Junge die Lieder des Kampfes gesungen hat, nun als Greis den Enkeln neue, friedliche Lieder vorsingt. Das Gedicht schließt mit einer schönen Metapher: Der alte Mann wird von den "goldenen Bienchen" der Lieder umringt, und sein Gesicht wird von der Lieblichkeit der Lieder überglänzt, wie der Morgenrot den schimmernden Eis des Taygetos-Berges.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Wie viel Helden für dich starben, Wie viel Blutes für dich rann!
- Metapher
- Und die Lieblichkeit der Lieder Ueberglänzt dein Antlitz, Greis, Wie auf Taygetos hernieder Morgenroth um schimmernd Eis.
- Personifikation
- Lustig kommt das Schiff geschwommen
- Vergleich
- Gleich der Wiege heit'rem Kinde, Das mit bunten Bändern spielt!