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Héliotrope
In deines Zimmers trauter Dämmerhelle …
Die Luft gekost von rother Lichteswelle,
Und drin erzittern fromme Kinderlieder
Und feiner Duft von vollem, feuchtem Flieder,
Und Vasen, Ampeln, Kissen athmen schwer
Ein räthselhaftes: »Es ist lange her …«
Und all das Tiefe, das du je erlebt,
In den verschwiegen dunklen Nischen webt,
Und von den Thränen, die du weinst so leicht, –
Sind Farben rings und Klänge matt verbleicht,
Dass sie das Haupt mit stiller Nacht umspinnen …
Ich war bei dir; in qualvoll wehem Sinnen
Sog ich den fernen, feinen, frommen Hauch
Und lächelte und litt unsäglich auch …
Du sahst so lieb und zärtlich auf zu mir!
Du ahntest nicht, wie ich so ferne dir.
Die du ein sonnenlichter Frühlingssang,
Der von des Schöpfers frohen Lippen klang!
Ich war bei dir – so nah′ an dich geschmiegt,
Dass ich vom Wohllaut deiner Welt umwiegt, –
Mich deiner Seele süsser Duft umspielte,
Und dass ich schauernd jenen Abgrund fühlte …
Du sahst ihn nicht … mein ist das kranke Sehnen,
Die abgequälten, ungeweinten Thränen,
Die sich das Herz zu tiefem Flussbett graben
Und soviel Gift und keinen Namen haben …
Und fühlst du nicht, wie er sich endlos breitet
Und zwischen uns wie weite Wogen gleitet?
Ein fliederfarbig, ewigweites Band,
Das keine Brücke jemals überspannt …
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Héliotrope“ von Lisa Baumfeld thematisiert die innere Zerrissenheit und das unerfüllte Sehnen einer Person, die eine tiefe, aber unerreichbare Liebe empfindet. Die Atmosphäre des Gedichts ist von Melancholie, Geheimnis und dem Gefühl der Unverbundenheit geprägt. Die beschriebene Szenerie in der ersten Strophe, ein Zimmer in sanfter Dämmerung, erfüllt von Düften und Klängen, dient als Sinnbild für die Welt der geliebten Person, in die der Sprecher eintaucht.
In der zweiten Strophe wird die Ambivalenz der Gefühle des Sprechers deutlich. Einerseits nimmt er die Nähe und Zärtlichkeit der geliebten Person wahr, andererseits fühlt er sich gleichzeitig unendlich fern. Diese Distanz wird durch die Gegenüberstellung von heiteren Bildern, wie dem „sonnenlichten Frühlingssang“, der die geliebte Person repräsentiert, und der eigenen, „kranken Sehnsucht“ des Sprechers hervorgehoben. Das „unsäglich auch“ im Vers „Und lächelte und litt unsäglich auch …“ unterstreicht die Dualität von Freude und Schmerz.
Die dritte Strophe vertieft das Gefühl der inneren Leere und Trennung. Der Sprecher ist physisch nah, aber emotional distanziert. Er fühlt den Abgrund, der zwischen ihm und der geliebten Person klafft, während diese ihn nicht wahrnimmt. Die Metaphern „kranke Sehnen“, „abgequälten, ungeweinten Thränen“ und „Gift und keinen Namen“ deuten auf eine tiefe emotionale Verletzung und unerwiderte Gefühle hin.
Das „fliederfarbig, ewigweites Band“ am Ende des Gedichts symbolisiert die unüberwindbare Trennung zwischen den beiden. Es ist ein Bild der Hoffnungslosigkeit, das die unerreichbare Liebe in einen melancholischen Zustand des Daseins verwandelt. Die Farbe Flieder, oft mit Nostalgie und Sehnsucht assoziiert, verstärkt die Traurigkeit und das Gefühl der Verlorenheit. Die Unfähigkeit, diese Brücke zu überqueren, verdeutlicht die Tragik der unerfüllten Liebe.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.