Heiterkeit, güldene, komm!
1894Heiterkeit, güldene, komm! du des Todes heimlichster, süßester Vorgenuß! - Lief ich zu rasch meines Wegs? Jetzt erst, wo der Fuß müde ward, holt dein Blick mich noch ein, holt dein Glück mich noch ein.
Rings nur Welle und Spiel. Was je schwer war, sank in blaue Vergessenheit - müßig steht nun mein Kahn. Sturm und Fahrt - wie verlernt er das! Wunsch und Hoffen ertrank, glatt liegt Seele und Meer.
Siebente Einsamkeit! Nie empfand ich näher mir süße Sicherheit, wärmer der Sonne Blick. - Glüht nicht das Eis meiner Gipfel noch? Silbern, leicht, ein Fisch schwimmt nun mein Nachen hinaus.
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Interpretation
Das Gedicht "Heiterkeit, güldene, komm!" von Friedrich Nietzsche handelt von der Sehnsucht nach Leichtigkeit und Gelassenheit im Leben. Der Sprecher ruft die Heiterkeit, die als "güldene" und "heimlichster, süßester Vorgenuß" des Todes beschrieben wird, herbei. Es scheint, als ob er auf seinem Lebensweg zu schnell vorangegangen ist und nun, wo er müde geworden ist, die Heiterkeit einholt und ihm Glück bringt. In der zweiten Strophe wird das Bild eines Bootes verwendet, das nun müßig auf dem Wasser steht, nachdem es zuvor von Sturm und Fahrt gepeinigt wurde. Wünsche und Hoffnungen sind ertrunken, und Seele und Meer liegen glatt. Dies symbolisiert die Auflösung von Sorgen und Belastungen, die dem Sprecher nun eine neue Leichtigkeit ermöglichen. Die letzte Strophe beschreibt die "siebente Einsamkeit", in der der Sprecher eine tiefe Verbundenheit mit der Heiterkeit und der Sicherheit empfindet. Die Sonne blickt warm auf ihn herab, und sein Boot, das wie ein Fisch silbern und leicht schwimmt, gleitet hinaus aufs Meer. Dieses Bild vermittelt ein Gefühl von Freiheit, Leichtigkeit und Geborgenheit in der Einsamkeit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Sturm und Fahrt
- Anapher
- holt dein Blick mich noch ein, holt dein Glück mich noch ein
- Bildsprache
- Rings nur Welle und Spiel
- Hyperbel
- Siebente Einsamkeit
- Kontrast
- Was je schwer war, sank in blaue Vergessenheit
- Metapher
- ein Fisch schwimmt nun mein Nachen hinaus
- Personifikation
- dein Blick
- Symbolik
- das Eis meiner Gipfel