Heimweh
1869Ich kann die Sprache dieses kühlen Landes nicht, und seinen Schritt nicht gehn.
Auch die Wolken, die vorbeiziehn, weiß ich nicht zu deuten.
Die Nacht ist eine Stiefkönigin. Immer muss ich an die Pharaonenwälder denken und küsse die Bilder meiner Sterne.
Meine Lippen leuchten schon und sprechen Fernes,
und bin ein buntes Bilderbuch auf deinem Schoß.
Aber dein Antlitz spinnt einen Schleier aus Weinen.
Meinen schillernden Vögeln sind die Korallen ausgestochen,
an den Hecken der Gärten versteinern sich ihre weichen Nester.
Wer salbt meine toten Paläste - sie trugen die Kronen meiner Väter, ihre Gebete versanken im heiligen Fluss.
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Interpretation
Das Gedicht "Heimweh" von Else Lasker-Schüler handelt von der Sehnsucht nach einer verlorenen Heimat und der Unfähigkeit, sich in einer fremden Umgebung zurechtzufinden. Die Sprecherin fühlt sich in diesem "kühlen Land" fremd und unverstanden, sowohl sprachlich als auch kulturell. Sie kann die Sprache und den Gang der Menschen nicht nachvollziehen und fühlt sich von den Wolken und der Nacht entfremdet. Die Sehnsucht nach der Heimat wird durch die Erinnerung an die "Pharaonenwälder" und die "Bilder meiner Sterne" ausgedrückt. Die Sprecherin küsst diese Bilder und sehnt sich nach der Wärme und Vertrautheit, die sie mit ihrer Heimat verbindet. Ihre Lippen leuchten und sprechen von "Fernem", was ihre Sehnsucht nach der Vergangenheit und der verlorenen Heimat verdeutlicht. Die Sprecherin fühlt sich wie ein "buntes Bilderbuch" auf dem Schoß einer Person, die sie nicht näher spezifiziert. Diese Person scheint in Tränen aufzugehen, was die Traurigkeit und das Leid der Sprecherin verstärkt. Die "schillernden Vögel" der Sprecherin haben ihre Korallen verloren und ihre Nester versteinern in den Gärten. Dies symbolisiert den Verlust der Heimat und die Unfähigkeit, sich in der neuen Umgebung einzuleben. Das Gedicht endet mit der Frage, wer die "toten Paläste" salben wird, die die Kronen der Väter trugen und deren Gebete im heiligen Fluss versanken. Dies unterstreicht die Trauer um die verlorene Heimat und die Hoffnungslosigkeit, jemals dorthin zurückkehren zu können. Die Sprecherin fühlt sich von ihrer Vergangenheit und ihrer Kultur abgeschnitten und sehnt sich nach der Geborgenheit und Vertrautheit ihrer Heimat.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Sie trugen die Kronen meiner Väter
- Personifikation
- An den Hecken der Gärten versteinern sich ihre weichen Nester