Heimweh (2)
1857An meinen Bruder
Du weißts, dort in den Bäumen Schlummert ein Zauberbann, Und nachts oft, wie in Träumen, Fängt der Garten zu singen an.
Nachts durch die stille Runde Wehts manchmal bis zu mir, Da ruf ich aus Herzensgrunde, O Bruderherz, nach dir.
So fremde sind die andern, Mir graut im fremden Land, Wir wollen zusammen wandern, Reich treulich mir die Hand!
Wir wollen zusammen ziehen, Bis daß wir wandermüd Auf des Vaters Grabe knien Bei dem alten Zauberlied.
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Interpretation
Das Gedicht "Heimweh (2)" von Joseph von Eichendorff handelt von der Sehnsucht des lyrischen Ichs nach seiner Heimat und seinem Bruder. Es beschreibt die magische Atmosphäre des Elternhauses, die das Ich in der Ferne umgibt und es an die gemeinsame Kindheit erinnert. Das Ich fühlt sich in der Fremde einsam und fremd und sehnt sich danach, mit seinem Bruder zusammen zu sein und gemeinsam durch die Welt zu ziehen. Das Gedicht besteht aus vier Strophen mit je vier Versen. Die Reime sind durchweg gleichmäßig und regelmäßig, was eine ruhige und harmonische Stimmung erzeugt. Die Sprache ist einfach und volkstümlich, aber auch poetisch und bildhaft. Der Dichter verwendet viele Metaphern und Symbole, um die Gefühle des Ichs auszudrücken. Zum Beispiel steht der Zauberbann für die Liebe und Geborgenheit der Familie, das Zauberlied für die gemeinsamen Erinnerungen und der Vater für die Herkunft und das Erbe. Das Gedicht ist ein typisches Beispiel für die romantische Dichtung, die sich durch die Themen Natur, Heimat, Sehnsucht und die Idee der inneren Einheit auszeichnet. Der Dichter vermittelt eine tiefe Verbundenheit mit der Heimat und der Familie, die ihm Trost und Halt in der Fremde gibt. Er drückt auch den Wunsch aus, mit seinem Bruder eine Reise ins Unbekannte zu unternehmen, aber auch die Hoffnung, am Ende wieder zur Ruhe zu kommen und sich an den Wurzeln zu besinnen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- So fremde sind die andern
- Apostrophe
- O Bruderherz, nach dir
- Hyperbel
- Reich treulich mir die Hand
- Kontrast
- Fremde sind die andern, mir graut im fremden Land
- Metapher
- Dort in den Bäumen schlummert ein Zauberbann
- Personifikation
- Der Garten beginnt zu singen
- Symbolik
- Auf des Vaters Grabe knien bei dem alten Zauberlied