Heimliches Lieben

Karoline Louise von Klenke

1828

O du, wenn deine Lippen mich berühren, Dann will die Lust die Seele mir entführen. Ich fühle tief ein namenloses Beben Den Busen heben.

Mein Auge flammt, Glut schwebt auf meinen Wangen; Es schlägt mein Herz Ein unbekannt Verlangen; Mein Geist, verirrt In trunkner Lippen Stammeln Kann kaum sich sammeln.

Mein Leben hängt in einer solchen Stunde An deinem süßen, rosenweichen Munde, Und will, bei deinem trauten Armumfassen, Mich fast verlassen.

O! daß es doch nicht außer Sich kann fliehen Die Seele ganz in deiner Seele glühen! Daß doch die Lippen, Die voll Sehnsucht brennen, Sich müssen trennen!

Daß doch im Kuß Mein Wesen nicht zerfließet Wenn es so fest an deinen Mund Sich schließet, Und an dein Herz, Das niemals laut darf wagen Für mich zu schlagen!

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Illustration zu Heimliches Lieben

Interpretation

Das Gedicht "Heimliches Lieben" von Karoline Louise von Klenke beschreibt die intensiven Gefühle und Empfindungen, die die lyrische Ich-Figur bei einem geheimen Kuss erlebt. Die Verse schildern die körperlichen und seelischen Reaktionen auf die Berührung der Lippen des Geliebten, die von Lust und Verlangen erfüllt sind. Die Seele der Sprecherin scheint sich entführen zu lassen und ein namenloses Beben durchflutet ihren Busen. Die Augen flammen auf, die Wangen glühen vor Glut, und das Herz schlägt im Rhythmus eines unbekannten Verlangens. Der Geist verliert sich in den stammelnden Lippen des Geliebten und kann sich kaum noch sammeln. In der zweiten Strophe wird die Intensität der Gefühle noch gesteigert. Das Leben der Sprecherin hängt in dieser geheimen Stunde an dem süßen, rosenweichen Mund des Geliebten. Der vertraute Armumfang lässt sie beinahe ihr eigenes Ich vergessen. Die Seele sehnt sich danach, ganz in der Seele des Geliebten aufzugehen und zu verschmelzen. Die Lippen, die vor Sehnsucht brennen, müssen sich unweigerlich trennen, um den Kuss zu vollenden. Die letzte Strophe drückt den Wunsch aus, dass das Wesen der Sprecherin im Kuss nicht zerfließen möge, wenn es sich so fest an den Mund des Geliebten schließt. Sie sehnt sich danach, dass ihr Herz, das sich niemals laut für sie zu bekennen wagt, an das Herz des Geliebten schlagen darf. Das Gedicht vermittelt die Intensität und die Grenzen einer heimlichen Liebe, die von Sehnsucht, Verlangen und der Hoffnung auf eine tiefere Verbindung geprägt ist.

Schlüsselwörter

lippen seele will herz kann berühren lust entführen

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Stilmittel

Alliteration
[namenloses Beben süßen, rosenweichen Munde sich sammeln]
Anapher
[Mein Auge flammt Mein Geist, verirrt]
Enjambement
[O du, wenn deine Lippen mich berühren, Dann will die Lust die Seele mir entführen. Mein Leben hängt in einer solchen Stunde An deinem süßen, rosenweichen Munde,]
Hyperbel
[Mein Leben hängt in einer solchen Stunde An deinem süßen, rosenweichen Munde Daß doch im Kuß Mein Wesen nicht zerfließet]
Metapher
[O du, wenn deine Lippen mich berühren Dann will die Lust die Seele mir entführen Mein Leben hängt in einer solchen Stunde An deinem süßen, rosenweichen Munde]
Personifikation
[Dann will die Lust die Seele mir entführen Es schlägt mein Herz Ein unbekannt Verlangen]