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Heimkehr?

Von

Wie bin ich nur so jäh hierher verschlagen
In dein entfremdet Reich, Waldeinsamkeit?
Zu Gast war ich in schicksalskühnen Tagen
Des Südens formgewalt′ger Heiterkeit!

Und wieder nun des Nordlands Thymiandüfte
Und seiner Erlenwälder Herbstmusik?
Ein müder, summender Wind … und träumende Wolkenbilder …
Nach Mitternacht des Mondes Nebelblick …

Und meiner Heimat längstvergessene Sprache …
Und längst vergessener Menschen Angesicht
Wie alles sich einschmeicheln will! Ich starre
In meines Morgenrots erloschenes Licht …

Habt ihr mich wieder? – Bin ich fremd geworden?
Braunrot quillt auf des Abends Dunstgeflecht …
Weit … weit das Land … die weißen Nebel leuchten
Zu mir tritt meiner Sehnsucht Lichtgeschlecht

Dort, wo das Leben reinere Glieder rundet,
Zu größerer Fülle seine Kräfte stimmt,
Möcht′ ich mit dir, Geliebte, sonnumstundet
Mein Sein verträumen, bis es sanft verschwimmt …

Wir lugen weit … weit übers Meer, das blaue
Um stillere Inseln noch wirbt unser Blick …
Und wenn ich dann in deine Augen schaue,
Find′ ich erschweigend mein intimstes Glück …

Zu Zeiten, die gewesen … ungewesen …
Beruhigt unsere Gegenwart verfließt …
Und von der Dämmerung Schattenspiel genesen,
Ward uns der Geist, der lichterfüllt genießt

Bis er, am Horizont ein Wolkenstäubchen,
Darauf die Sonne lag mit mildem Glühn,
Sich sanft entkräuselt … Weiter rollen Stunden …
Und Jahre, Menschen, Sterne weiterziehn …

Geliebte Heimat, den nun deine Krume
Zum letztenmal mit ihrem Herbst genährt
Verzeihe ihm! Gib ihm zum Abschied deine letzte Blume
Und laß ihn ziehn, der deiner nicht mehr wert …

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Heimkehr? von Hermann Conradi

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Heimkehr?“ von Hermann Conradi ist eine melancholische Reflexion über die Rückkehr in eine verlorene Heimat und das daraus resultierende Gefühl der Entfremdung. Der Dichter beschreibt eine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit und Reinheit, die er jedoch in seiner aktuellen Umgebung, der „Waldeinsamkeit“ des Nordens, nicht mehr findet. Das Gedicht thematisiert die Diskrepanz zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, zwischen den Erinnerungen an die Heimat und der Realität der „entfremdeten“ Umgebung.

Der erste Teil des Gedichts beschreibt die Ankunft und die daraus resultierende Ernüchterung. Die Erinnerungen an den „Südens formgewalt′ge Heiterkeit“ stehen im Kontrast zu den „Thymiandüften“ und „Herbstmusik“ des Nordens, die eher als trüb und melancholisch wahrgenommen werden. Der Dichter fühlt sich fremd, wie ein Gast, der sich verirrt hat. Die „längstvergessene Sprache“ und „längst vergessener Menschen Angesicht“ vermögen ihn nicht mehr zu erreichen. Das „erloschene Licht“ des „Morgenrots“ symbolisiert das Verblassen der Hoffnung und die Erkenntnis, dass die Rückkehr nicht die erhoffte Erfüllung bringt.

Im weiteren Verlauf des Gedichts wendet sich der Blick der Sehnsucht auf eine ideale, paradiesische Welt, verkörpert durch die „Geliebte“. In dieser Vision, die eine Flucht vor der Realität darstellt, wird das Glück in einer sonnenbeschienenen Idylle gefunden, wo das „Leben reinere Glieder rundet“ und „die Kräfte stimmt“. Die „blaue Meer“ und „stillere Inseln“ stehen für eine Sehnsucht nach dem Unbekannten, nach einer Welt, in der die Liebe und das Glück ungestört gefunden werden können. Dieses Idealbild kontrastiert mit der trostlosen Realität der Heimkehr.

Der Schluss des Gedichts ist von einer bittersüßen Abschiedsstimmung geprägt. Der Dichter erkennt, dass er der Heimat „nicht mehr wert“ ist, da er sich von ihr entfernt hat. Er bittet um Verzeihung und die letzte Gabe, die „letzte Blume“. Die Metapher des „Wolkenstäubchens“ am Horizont, das von der Sonne sanft erhellt wird, deutet auf eine Auflösung und das Dahingleiten in die Vergessenheit. Das Gedicht endet mit der Akzeptanz der eigenen Entfremdung und dem Abschied von der Heimat, die nicht mehr die ersehnte Geborgenheit bieten kann. Es ist ein melancholischer Abschied von einer Illusion, von der Sehnsucht nach einer Vergangenheit, die nicht mehr existiert.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.