Heimatloses Gesicht
1885Meine tiefsten Trunkenheiten sind am frühen Morgen, Wenn ich die Reise der Nacht vollendet. Ich erwache und bin: immer wo anders gelandet. Kann nicht sagen, was es ist, dass meine Sehnsucht Sich breitet über das Land. O Welt, die ich suche, fühlst du nicht: Über dir meine hungernden Augen? Klopfte mein Herz vor deiner Tür, Vor deinem liebeumschleierten Hause? Wohnst du so hoch, kleine Welt? Ich fliege dir zu. Wohnst du so tief, kleine Welt? Ich falle dir zu, Wo du auch sein magst. Einmal trete ich über deine Schwelle, Dann bin ich bei dir und frage dich zärtlich: Bist du die Heimat? Nimmst du mich auf?
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Interpretation
Das Gedicht "Heimatloses Gesesicht" von Emmy Hennings beschreibt die tiefe Sehnsucht und das ständige Suchen nach einem Ort der Geborgenheit und Zugehörigkeit. Die Sprecherin erwacht aus ihren nächtlichen Reisen, immer an einem anderen Ort, und spürt eine unerklärliche Sehnsucht, die sich über das Land ausbreitet. Diese Sehnsucht richtet sich nach einer Welt, die sie sucht, aber nicht finden kann. Die Welt, die sie sucht, scheint unerreichbar weit entfernt zu sein, sowohl hoch oben als auch tief unten. Die Sprecherin ist bereit, alles zu tun, um diese Welt zu finden, sei es zu fliegen oder zu fallen. Sie ist bereit, jede Schwelle zu überschreiten, um endlich die Antwort auf ihre Frage zu finden: "Bist du die Heimat? Nimmst du mich auf?" Das Gedicht vermittelt ein starkes Gefühl der Verlorenheit und des Heimwehs. Die Sprecherin fühlt sich wie ein heimatloses Gesicht, das ständig auf der Suche nach einem Ort ist, an dem es sich zu Hause fühlen kann. Die Wiederholung der Frage "Bist du die Heimat? Nimmst du mich auf?" unterstreicht die Dringlichkeit und Verzweiflung der Sprecherin, endlich einen Ort zu finden, an dem sie willkommen ist und sich geborgen fühlen kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Wohnst du so hoch, kleine Welt? Ich fliege dir zu. Wohnst du so tief, kleine Welt? Ich falle dir zu
- Metapher
- einmal trete ich über deine Schwelle
- Personifikation
- O Welt, die ich suche, fühlst du nicht: Über dir meine hungernden Augen?
- Rhetorische Frage
- Klopfte mein Herz vor deiner Tür, Vor deinem liebeumschleierten Hause?
- Symbolik
- Bist du die Heimat? Nimmst du mich auf?