Heiliges Lobverlangen
1662Daß alle Stäublein / mein / und lauter Zungen wären und iedes meiner Haar′ ein helle Weißheit Flamm! ich wolt zu GOTTES Lob / sie binden all zusamm. Ach daß mein Mund die Welt vollmachte seiner Ehren!
Wollst meinem Lebens Baum viel Lobesfrücht bescheren. nur werd die Pflicht verricht; verdorret schon der Stamm. der Leib bleib auf dem plaz: nur werd gepreist dein Nam. nicht sein-nur deines Ruhms erhebung / mein begehren
und einigs Wunsch-Ziel ist. Ach gib mir Krafft und Geist daß nicht im Himmel nur / auf Erd auch werd gepreist dein Allregirungs Ruhm. Weil überall zugegen
die Würkung deiner Güt und alles GOttes-voll: ists recht / daß überall in allen ieder soll dir opfern Lob und Preiß. Dank ist des Segens Segen.
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Interpretation
Das Gedicht "Heiliges Lobverlangen" von Catharina Regina von Greiffenberg ist ein tief empfundenes Gebet, das den Wunsch nach vollständiger Hingabe an Gott ausdrückt. Die Dichterin sehnt sich danach, dass jeder Teil ihres Seins – von den kleinsten Staubpartikeln bis zu den Haaren auf ihrem Kopf – in einem Lobgesang auf Gott aufgehen möge. Sie wünscht sich, dass ihr Mund die Welt mit Ehren für Gott erfüllen könnte, und bittet darum, dass ihr Lebensbaum mit Lobesfrüchten beladen sein möge. Trotz der Vergänglichkeit des Leibes und des nahenden Todes bleibt der Wunsch nach der Erhebung von Gottes Ruhm ihr einziges Ziel. In der zweiten Strophe intensiviert sich das Gebet der Dichterin. Sie bittet um Kraft und Geist, um nicht nur im Himmel, sondern auch auf Erden Gottes Allmacht und Güte preisen zu können. Die Erkenntnis, dass Gottes Gegenwart und Wirkung überall zu finden sind, führt zu dem Schluss, dass Lob und Preis überall und von jedem dargebracht werden sollten. Die Dichterin erkennt, dass Dank die höchste Form des Segens ist und dass die Anerkennung von Gottes Güte und Segen die angemessenste Antwort darauf ist. Das Gedicht endet mit der Feststellung, dass Dank die Krönung des Segens ist. Catharina Regina von Greiffenberg bringt damit ihre tiefe Überzeugung zum Ausdruck, dass die Anerkennung und der Lobpreis Gottes die höchste Form der Verehrung und der angemessene Ausdruck für die empfangenen Segnungen sind. Ihr "Heiliges Lobverlangen" ist somit ein Bekenntnis zur Allgegenwart Gottes und zur Pflicht des Menschen, diese Erkenntnis in Lob und Dank zum Ausdruck zu bringen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- daß nicht im Himmel nur / auf Erd auch werd gepreist
- Hyperbel
- Daß alle Stäublein / mein / und lauter Zungen wären und iedes meiner Haar′ ein helle Weißheit Flamm!
- Metapher
- Tausend Dank ist des Segens Segen
- Parallelismus
- daß nicht im Himmel nur / auf Erd auch werd gepreist dein Allregirungs Ruhm
- Personifikation
- der Leib bleib auf dem plaz: nur werd gepreist dein Nam