Heidenröslein
1771Sah ein Knab’ ein Röslein stehn, Röslein auf der Heiden, War so jung und morgenschön, Lief er schnell es nah zu sehn, Sah’s mit vielen Freuden. Röslein, Röslein, Röslein rot, Röslein auf der Heiden.
Knabe sprach: ich breche dich, Röslein auf der Heiden! Röslein sprach: ich steche dich, Daß du ewig denkst an mich, Und ich will’s nicht leiden. Röslein, Röslein, Röslein rot, Röslein auf der Heiden.
Und der wilde Knabe brach ’s Röslein auf der Heiden; Röslein wehrte sich und stach, Half ihr doch kein Weh und Ach, Mußt es eben leiden. Röslein, Röslein, Röslein rot, Röslein auf der Heiden.
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Interpretation
Das Gedicht "Heidenröslein" von Johann Wolfgang von Goethe handelt von der unerbittlichen Natur von Begierde und Schmerz. Es erzählt die Geschichte eines jungen Knaben, der von einem schönen Röslein auf der Heide angezogen wird. Der Knabe, getrieben von jugendlicher Leidenschaft, beschließt, das Röslein zu brechen, obwohl es ihn warnt, dass es ihn stechen wird. Die Konfrontation zwischen dem Knaben und dem Röslein symbolisiert den Konflikt zwischen menschlicher Begierde und den natürlichen Konsequenzen, die daraus entstehen können. Das Röslein, obwohl es sich wehrt und den Knaben sticht, kann nicht verhindern, dass es letztendlich gebrochen wird. Dies deutet darauf hin, dass manchmal die Begierde stärker ist als der Schmerz, den sie verursacht. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass der Knabe das Röslein trotz des Stichs brechen musste. Dies könnte als eine Metapher für die menschliche Natur verstanden werden, die oft dazu neigt, trotz der möglichen negativen Konsequenzen nach dem zu streben, was sie begehrt. Das "Heidenröslein" bleibt als Symbol für die Schönheit und den Schmerz, die oft Hand in Hand gehen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Die Wiederholung von 'Röslein, Röslein, Röslein rot, Röslein auf der Heiden' am Ende jeder Strophe.
- Ironie
- Die Ironie, dass das Röslein, obwohl es sich wehrt, letztendlich doch 'mußt es eben leiden' muss.
- Kontrast
- Der Kontrast zwischen der Unschuld und Schönheit des Rösleins und der wilden, zerstörerischen Handlung des Knaben.
- Metapher
- Das Röslein steht metaphorisch für Unschuld und Schönheit, die vom Knaben (der für jugendliche Unbedarftheit steht) bedroht wird.
- Personifikation
- Das Röslein wird als sprechendes Wesen dargestellt, das mit dem Knaben interagiert.
- Reimschema
- Das Gedicht folgt einem einfachen Reimschema (ABAB), was die Melodik und Leichtigkeit des Gedichts unterstreicht.