Hei, nun kommt uns die Zeit...
1171Hei, nun kommt uns die Zeit (des Sommers), der Gesang der kleinen Vögelchen. / Es grünt schon die breite Linde, dahin ist der lange Winter./ Nun sieht man anmutige Blumen auf der Heide erproben sie ihr Strahlen. / Darüber werden sehr viele Herzen froh, und auch mein Herz schöpft daraus Zuversicht.
Ich bin dir seit langem zugetan, edle und vortreffliche Herrin. / Wie gut ich das angelegt habe! Du hast meinen Sinn veredelt. / Um was immer ich durch dich besser geworden bin, es möge mir zum Heil gereichen. / Machst du das Ende gut, so hast du alles wohl getan.
Man soll die Edlen und die Vortrefflichen zu allen Zeiten lieb behalten. / Wer immer sich allzuviel rühmt, der weiß nichts vom rechten Maß. / Auch soll es ein höfischer Mann niemals allen Frauen recht machen. / Der ist nicht Meister seiner selbst, der in dieser Hinsicht allzuviel tut.
Auf der Linde oben, da sang ein kleines Vögelchen, / vor dem Wald erhob es seine Stimme. Da schwang sich mein Herz wieder auf, / zu einem Ort, an dem es früher war. Ich sah die blühenden Rosen stehen, / die rufen in mir viele Gedanken hervor, die sich auf eine Dame richten.
Es kommt mir vor, als sei es schon tausend Jahre her, daß ich im Arm des Geliebten lag. / Ganz ohne Schuld bleibt er mir jeden Tag fern. / Seit ich keine Blumen sah nocht den Gesang kleiner Vögelchen hörte, / seitdem war all meine Freude von kurzer Dauer, der Jammer aber allzulang.
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Interpretation
Das Gedicht "Hei, nun kommt uns die Zeit" von Dietmar von Aist thematisiert den Wechsel der Jahreszeiten und die damit verbundenen Gefühle. Der Sommer wird als Zeit der Erneuerung und Freude dargestellt, in der die Natur erblüht und die Herzen der Menschen erfreut. Die natürliche Schönheit und der Gesang der Vögel symbolisieren eine optimistische und hoffnungsvolle Stimmung. Im zweiten Teil des Gedichts richtet sich der Blick des lyrischen Ichs auf eine edle und vortreffliche Dame, zu der eine tiefe Zuneigung besteht. Die Beziehung wird als bereichernd und veredelnd beschrieben, wobei das Ende der Beziehung als entscheidend für das gesamte Erleben hervorgehoben wird. Der Rat, die Edlen und Vortrefflichen zu lieben und zu schätzen, unterstreicht die Wertschätzung für wahre Qualitäten. Der letzte Abschnitt verbindet die Naturbeobachtungen mit persönlichen Erinnerungen und Sehnsüchten. Das Singen eines Vögelchens auf der Linde ruft Erinnerungen an eine vergangene Liebe wach, die als schmerzlich vermisst wird. Die Abwesenheit des Geliebten und das Fehlen der natürlichen Schönheit führen zu anhaltender Trauer, während die Freude nur von kurzer Dauer ist. Das Gedicht vermittelt somit eine tiefe Verbundenheit zwischen Natur, Liebe und menschlichen Emotionen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Es kommt mir vor, als sei es schon tausend Jahre her
- Kontrast
- der Jammer aber allzulang
- Metapher
- Es grünt schon die breite Linde
- Parallelismus
- Man soll die Edlen und die Vortrefflichen zu allen Zeiten lieb behalten
- Personifikation
- Es grünt schon die breite Linde