Hausglück

Anastasius Grün

1876

Der Koboldbauer das ist mir ein Mann! Sein Boden voll Korn, sein Keller voll Wein, Sein Holz schön aufgeklaftert im Tann, Die Rößlein gestriegelt, das Haus so rein, Die Wintersaat schon längst bestellt, Die Andern schneiden die Frucht noch im Feld; Und hat nur Einen Knecht allein! Das muß ein sondres Hausglück sein!

Der Knecht speist Mittags mit der Katz’, Ein Schüsslein Milch, genug für den Zwerg! Er liegt ohne Federbett und Matratz’ Im Scheuerneck wie ein Klumpen Werg; Ein Handschuhdaum ist sein spitzer Hut, Des Bauers Socken sein Mantel gut; O möcht’ er nur kein Kobold sein! Doch ruft ihn sein Herr: du Hausglück mein.

Der Bauer einst verreisen wollt’, Hui, Mantel und Hut bringt der Kleine frisch! »Zum Imbiß ein Hühnchen, dem wär’ ich hold,« Da stand es gebraten auch schon am Tisch!

»Geh, hol’ auf der Weide den Schecken mir,« Da stampft vorm Thor gesattelt das Thier! »So lebe wohl denn und hüte fein Mir Weib und Hof, du Hausglück mein!«

Der Bauersmann war vom Hause kaum, Schon steigt das verliebte Pfäfflein ringsum; Der Knecht streut Erbsen im Stiegenraum Und dreht am Zimmer den Schlüssel um. Das Pfäfflein glitscht aus und fällt aufs Gesicht, Das Weiblein Schloß und Riegel fast bricht; Sie drinnen, er draußen, ein Schelten und Schrein: O möcht’ im Pfefferland Hausglück sein!

Der Kleine kichert, doch nicht für lang! Denn Pfaffenlust und Weiberlist Macht selbst dem schlau’sten Wächter bang, Wenn er auch der rührigste Kobold ist. – Der Hausherr kam, fand Alles aufs Best’, Der Kleine ganz matt sich vernehmen läßt: »Ein Weiblein zu hüten, welche Pein! Da möchte der Teufel dein Hausglück sein!«

Zum Bauer schlau der Pfarrherr spricht: »Thu’ von dir den schnöden Knecht, mein Sohn, Er ist nicht getauft, wird selig nicht, Sein Mühn bringt nimmer dir Segenslohn; Die eigne Hand sei fortan dein Glück!« Der Bauer aber entgegnet zurück: »Wenn selber er von mir geht, mag’s sein! Nicht mag ich verbannen das Hausglück mein.«

Der Bauer füllt dem Kleinen nicht Die Schüssel wie sonst, doch hat’s nicht Noth, Der kichert und zieht ein Schelmengesicht, Er melkt ja die Kuh und bäckt ja das Brod! Der Bauer grüßt neckend: »Gelobt sei der Christ!« Da sagt es nicht Amen, aber es niest, Er taucht in Weihbronn den Zappelnden ein, Doch kann er nicht los das Hausglück sein.

Da denkt der Bauer: Ich hab’s! und faßt Am Küchenheerd den glimmenden Span, Die Scheuer, darin sein Knecht schon zur Rast, An allen vier Ecken zündet er an; Doch was darin an Getreid’ und Stroh, Auf vollem Wagen entführt er’s froh, Die Scheuer flammt auf in grellem Schein: »Nun werd’ ich doch los mein Hausglück sein!«

Und wie er so fährt feldein fürbaß, Da hört er, wie’s hinter ihm spricht und lacht: »O Bauerndank, o Bauernspaß! Zeit war’s, daß wir uns davongemacht!« Er sieht sich um; – gemächlich und breit Sitzt nickend der Kleine auf dem Getreid’. O Bäuerlein, o Bäuerlein, Du sollst nicht los dein Hausglück sein!

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Illustration zu Hausglück

Interpretation

Das Gedicht "Hausglück" von Anastasius Grün erzählt die Geschichte eines Koboldbauern und seines Knechts, der ein Kobold ist. Der Bauer ist stolz auf seinen Knecht, der ihm viel Arbeit abnimmt und für ein reibungsloses Funktionieren des Haushalts sorgt. Der Knecht lebt in bescheidenen Verhältnissen und wird vom Bauer als sein "Hausglück" bezeichnet. Die Handlung nimmt eine Wendung, als der Bauer verreisen möchte. Der Koboldknecht erledigt alle Aufgaben, die ihm sein Herr aufträgt, und kümmert sich um Frau und Hof. Doch als der Bauer weg ist, versucht ein Pfäfflein, sich mit der Frau des Bauern zu treffen. Der Koboldknecht versucht, dies zu verhindern, indem er Erbsen im Stiegenraum verteilt und die Tür abschließt. Doch das Pfäfflein findet einen Weg hinein und es kommt zu einem Streit zwischen dem Knecht und dem Pfäfflein. Als der Bauer zurückkehrt, findet er alles in Ordnung vor und der Koboldknecht ist erschöpft. Der Pfarrherr rät dem Bauer, den Koboldknecht zu taufen und fortan selbst Hand anzulegen. Doch der Bauer weigert sich, seinen Knecht zu verbannen, da er ihn als sein "Hausglück" betrachtet. Der Bauer versucht verschiedene Methoden, um den Koboldknecht loszuwerden, wie zum Beispiel ihn nicht mehr zu füttern oder ihn in Weihwasser zu tauchen. Doch nichts scheint zu funktionieren. Schließlich zündet der Bauer die Scheuer an, in der der Koboldknecht schläft, und flieht mit dem Getreide. Doch als er auf dem Feld anhält, hört er den Koboldknecht hinter sich sprechen und lachen. Der Koboldknecht sitzt auf dem Getreide und der Bauer erkennt, dass er ihn nicht loswerden kann. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass der Koboldknecht untrennbar mit dem Hausglück des Bauern verbunden ist.

Schlüsselwörter

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Wortwolke zu Hausglück

Stilmittel

Alliteration
Des Bauers Socken sein Mantel gut
Anspielung
Zeit war's, daß wir uns davongemacht!
Direkte Rede
Zum Imbiß ein Hühnchen, dem wär' ich hold
Hyperbel
Der Keller voll Wein, der Boden voll Korn
Ironie
Doch ruft ihn sein Herr: du Hausglück mein
Kontrast
Der Bauer einst verreisen wollt', Hui, Mantel und Hut bringt der Kleine frisch!
Metapher
Der Knecht speist Mittags mit der Katz
Onomatopoesie
O Bäuerlein, o Bäuerlein
Personifikation
Der Koboldbauer wird als 'Koboldbauer' bezeichnet, was eine menschliche Eigenschaft (Bauer) mit einem übernatürlichen Wesen (Kobold) verbindet.
Symbolik
Das Weiblein zu hüten, welche Pein! Da möchte der Teufel dein Hausglück sein!
Vergleich
Er liegt ohne Federbett und Matratz' Im Scheuerneck wie ein Klumpen Werg
Wiederholung
O möcht' er nur kein Kobold sein! Doch ruft ihn sein Herr: du Hausglück mein.