Hart stoßen sich die Wände

Ernst Wilhelm Lotz

1913

Hart stoßen sich die Wände in den Straßen, Vorn Licht gezerrt, das auf das Pflaster keucht, Und Kaffeehäuser schweben im Geleucht Der Scheiben, hoch gefüllt mit wiehernden Grimassen.

Wir sind nach Süden krank, nach Fernen, Wind, Nach Wäldern, fremd von ungekühlten Lüsten, Und Wüstengürteln, die voll Sommer sind, Nach weißen Meeren, brodelnd an besonnte Küsten.

Wir sind nach Frauen krank, nach Fleisch und Poren, Es müssten Pantherinnen sein, gefährlich zart, In einem wild gekochten Fieberland geboren. Wir sind versehnt nach Reizen unbekannter Art.

Wir sind nach Dingen krank, die wir nicht kennen. Wir sind sehr jung. Und fiebern noch nach Welt. Wir leuchten leise. - Doch wir könnten brennen. Wir suchen immer Wind, der uns zu Flammen schwellt.

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Illustration zu Hart stoßen sich die Wände

Interpretation

Das Gedicht "Hart stoßen sich die Wände" von Ernst Wilhelm Lotz beschreibt eine tiefe Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer. Die Stadt wird als ein beengter, erdrückender Ort dargestellt, in dem die Menschen nach der Weite und Ungebundenheit des Südens, der Ferne und der Natur streben. Die "wiehernden Grimassen" in den Kaffeehäusern symbolisieren die Enge und die künstliche, oberflächliche Atmosphäre der Stadt. Die zweite Strophe verdeutlicht die Sehnsucht nach exotischen Orten und Erlebnissen. Der Süden, die Wälder, die Wüsten und die weißen Meere stehen für ein ungezähmtes, leidenschaftliches Leben, das im Kontrast zur kühlen, sterilen Umgebung der Stadt steht. Die Verwendung von lebhaften Bildern wie "brodelnd an besonnte Küsten" verstärkt das Gefühl der Sehnsucht nach Wärme und Vitalität. In der dritten Strophe richtet sich die Sehnsucht auf die Frauen, die als exotisch und gefährlich dargestellt werden. Die "Pantherinnen" symbolisieren eine wilde, ungezähmte Sexualität, die im Gegensatz zur Zivilisation und Zurückhaltung der Stadt steht. Die "Reize unbekannter Art" stehen für die Faszination des Unbekannten und die Lust auf neue Erfahrungen. Die letzte Strophe fasst die allgemeine Sehnsucht der jungen Menschen nach der Welt und neuen Erfahrungen zusammen. Obwohl sie noch "sehr jung" sind und "leise leuchten", haben sie das Potenzial, "zu Flammen zu brennen". Die Suche nach dem "Wind, der uns zu Flammen schwellt" symbolisiert die unersättliche Neugier und das Verlangen nach Veränderung und Abenteuer, das die Jugend antreibt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Hart stoßen sich die Wände
Hyperbel
In einem wild gekochten Fieberland geboren
Metapher
Wind, der uns zu Flammen schwellt
Personifikation
Kaffeehäuser schweben im Geleucht
Wiederholung
Wir sind nach ... krank