Halmorakel
unknownEin Halm, der macht mich heute froh. Er sagte, mir solle Gutes geschehen. Ich maß an einem Stück Stroh, wie ich bei Kindern oft gesehen. Nun hört, ob ich in ihrem Herzen ruh: “Sie liebt, liebt nicht, sie liebt.” Wie ich auch dehnt die Hände “Sie liebt mich”, hieß es stets am Ende. Des war ich froh; nur - Glaub′ gehört dazu.
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Interpretation
Das Gedicht "Halmorakel" von Walther von der Vogelweide handelt von einem einfachen Orakelspiel mit einem Strohhalm, das dem lyrischen Ich eine positive Zukunft prophezeit. Die kindliche Freude und Hoffnung, die aus dieser Weissagung entsteht, werden in den ersten Versen deutlich. Das "Halmorakel" dient als Metapher für die Sehnsucht nach Liebe und Bestätigung. Die wiederholte Handlung des Ausbreitens der Hände symbolisiert die Unsicherheit und das Zögern des lyrischen Ichs, ob die geliebte Person ihn erwidert. Die Worte "Sie liebt, liebt nicht, sie liebt" spiegeln die innere Zerrissenheit und die Angst vor Ablehnung wider. Doch am Ende jeder Deutung steht die erlösende Botschaft "Sie liebt mich", die dem lyrischen Ich Trost und Freude spendet. Die abschließende Zeile "Des war ich froh; nur - Glaub′ gehört dazu" verdeutlicht, dass der Glaube an die Liebe und die Hoffnung auf Erfüllung wesentlich für das Gelingen des Orakels sind. Das Gedicht vermittelt eine tiefere Botschaft über die Macht der Hoffnung und des Glaubens in der Liebe, selbst wenn die Grundlage für diese Hoffnung so einfach ist wie ein Stück Stroh.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Sie liebt, liebt nicht, sie liebt
- Bildsprache
- Ich maß an einem Stück Stroh
- Ironie
- Nur - Glaub' gehört dazu
- Metapher
- Ein Halm, der macht mich heute froh