Häslein

Friedrich Wilhelm Güll

unknown

Unterm Tannenbaum im Gras Gravitätisch sitzt der Has, Wichst den Bart und spitzt das Ohr, Duckt sich nieder, guckt hervor, Zupft Und leckt sich, Rupft Und reckt sich. Endlich macht er einen Sprung: “Hei, was bin ich für ein Jung′! Schneller noch als Hirsch und Reh Spring ich auf und ab die Höh′. Wer ist′s, der mich fangen kann? Tausend Hund′ und hundert Mann, Gleich will ich′s mit ihnen wagen, Soll mich keiner doch erjagen. Und der Graf auf seinem Schloß Hat im ganzen Stall kein Roß Und auch keinen Reitersknecht, Der mir nachgaloppen möcht′!”

“Häslein, nimm dich doch in acht, Hund und Jäger schleichen sacht; Eh du′s denkst, da zuckt es rot, Und die Kugel schießt dich tot!” Aber′s Häslein hat sich jetzt Wie ein Männlein hingesetzt; Schaut nicht auf und schaut nicht um. - “Bst, wer kommt so still und stumm

Dort durch Busch und Dorn und Korn Mit dem Stutz und Pulverhorn? Hu, der Jäger ist es schon! Häslein, Häslein, spring davon!”

′s ist zu spät, es blitzt und pufft Und der Rauch steigt in die Luft Und das Häslein liegt, o weh! Totgeschossen in dem Klee.

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Illustration zu Häslein

Interpretation

Das Gedicht "Häslein" von Friedrich Wilhelm Güll erzählt die Geschichte eines selbstbewussten Hasen, der unter einem Tannenbaum im Gras sitzt und sich seiner Schnelligkeit und seiner Fähigkeit, Jäger und Hunde zu entkommen, rühmt. Der Hase prahlt damit, dass selbst der Graf auf seinem Schloss kein Pferd oder keinen Reiter hat, der ihm nachgaloppieren könnte. Er ist überzeugt von seiner Unbesiegbarkeit und seiner Fähigkeit, sich jeder Gefahr zu entziehen. Ein warnender Ruf ertönt, der den Hasen auffordert, auf der Hut zu sein, da Hund und Jäger sich lautlos nähern. Doch der Hase ignoriert die Warnung und setzt sich wie ein Männlein hin, ohne aufzublicken oder sich umzusehen. Er bemerkt den herannahenden Jäger mit seinem Stutzen und Pulverhorn zu spät. Obwohl er noch einen letzten verzweifelten Sprung wagt, ist es bereits zu spät. Ein Schuss fällt, Rauch steigt auf, und der Hase liegt tot im Klee. Das Gedicht endet mit einem tragischen Ausgang, der die Konsequenzen von Überheblichkeit und Ignoranz verdeutlicht. Der Hase, der sich seiner Fähigkeiten so sicher war, wird von seiner eigenen Arroganz überlistet und findet ein unrühmliches Ende. Güll nutzt die Geschichte des Hasen, um eine moralische Lektion zu vermitteln: Man sollte nie zu selbstsicher sein und die Gefahren, die einem drohen, nicht unterschätzen.

Schlüsselwörter

häslein spring hund jäger schaut unterm tannenbaum gras

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Gravätisch sitzt der Has
Anapher
Zupft Und leckt sich, Rupft Und reckt sich.
Ausruf
Hei, was bin ich für ein Jung′!
Dialog
Häslein, nimm dich doch in acht, Hund und Jäger schleichen sacht; Eh du′s denkst, da zuckt es rot, Und die Kugel schießt dich tot!
Direkte Rede
Hei, was bin ich für ein Jung′! Schneller noch als Hirsch und Reh Spring ich auf und ab die Höh′. Wer ist′s, der mich fangen kann? Tausend Hund′ und hundert Mann, Gleich will ich′s mit ihnen wagen, Soll mich keiner doch erjagen.
Hyperbel
Tausend Hund′ und hundert Mann
Ironie
Schneller noch als Hirsch und Reh Spring ich auf und ab die Höh′
Kontrast
Und der Graf auf seinem Schloß Hat im ganzen Stall kein Roß Und auch keinen Reitersknecht, Der mir nachgaloppen möcht′!
Metapher
wie ein Männlein
Onomatopoesie
Bst, wer kommt so still und stumm
Personifikation
Gravätisch sitzt der Has
Vergleich
wie ein Männlein
Wiederholung
Häslein, Häslein, spring davon!