Gutmann und Gutweib
1888Und morgen fällt St. Martins Fest, Gutweib liebt ihren Mann; Da knetet sie ihm Puddings ein Und bäckt sie in der Pfann.
Im Bette liegen beide nun, Da saust ein wilder West; Und Gutmann spricht zur guten Frau: “Du riegle die Türe fest.”
“Bin kaum erholt und halb erwarmt, Wie käm ich da zu Ruh; Und klapperte sie einhundert Jahr, Ich riegelte sie nicht zu.”
Drauf eine Wette schlossen sie Ganz leise sich ins Ohr: So wer das erste Wörtlein spräch′, Der schöbe den Riegel vor.
Zwei Wanderer kommen um Mitternacht Und wissen nicht, wo sie stehn, Die Lampe losch, der Herd verglomm, Zu hören ist nichts, zu sehen.
“Was ist das für ein Hexenort? Da bricht uns die Geduld!” Doch hörten sie kein Sterbenswort, Des war die Türe schuld.
Den weißen Pudding speisten sie, Den Schwarzen ganz vertraut; Und Gutweib sagte sich selber viel, Doch keine Silbe laut.
Zum anderen sprach der eine dann: “Wie trocken ist mir der Hals! Der Schrank, der klafft, und geistig riechts, Da findet sich′s allenfalls.
Ein Fläschchen Schnaps ergreif ich da, Das trifft sich doch geschickt! Ich bring es dir, du bringst des mir, Und bald sind wir erquickt.
Doch Gutmann sprang so heftig auf Und fuhr sie drohend an: “Bezahlen soll mit teurem Geld, Wer mir den Schnaps vertan!”
Und Gutweib sprang auch froh heran, Drei Sprünge, als wär sie reich: “Du Gutmann sprachst das erste Wort, Nun riegle die Türe gleich!”
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Interpretation
Das Gedicht "Gutmann und Gutweib" von Johann Wolfgang von Goethe erzählt eine humorvolle Geschichte über ein Ehepaar, das eine Wette abschließt, wer zuerst spricht. Die Frau bereitet ihrem Mann Puddings für das bevorstehende St. Martins Fest vor und sie verbringen die Nacht im Bett, als ein Sturm aufkommt. Der Mann bittet seine Frau, die Tür zu verriegeln, aber sie weigert sich, da sie gerade erst zur Ruhe gekommen ist. Sie beschließen, dass derjenige, der zuerst spricht, die Tür verriegeln muss. In der Mitternacht kommen zwei Wanderer vorbei, die sich in der Dunkelheit verlaufen haben. Sie essen die Puddings, die die Frau zubereitet hat, und einer von ihnen bemerkt, dass er Durst hat. Er beschließt, eine Flasche Schnaps aus dem Schrank zu holen, um sich und seinen Begleiter zu erfrischen. Der Mann und die Frau bleiben jedoch stumm, da sie nicht als Erste sprechen wollen. Als der Wanderer den Schnaps holt, springt der Mann plötzlich auf und droht, denjenigen, der den Schnaps gestohlen hat, teuer bezahlen zu lassen. Daraufhin springt auch die Frau auf und ruft ihrem Mann zu, dass er das erste Wort gesprochen hat und nun die Tür verriegeln muss. Das Gedicht endet mit einer humorvollen Wendung, bei der die Frau ihren Mann überlistet hat.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Gutmann sprang so heftig auf
- Metapher
- Was ist das für ein Hexenort?
- Personifikation
- Da saust ein wilder West
- Wiederholung
- Du Gutmann sprachst das erste Wort, Nun riegle die Türe gleich!