Guter Rath
1877Still mußt du werden, pochend Herz, Still wie der Stern am Himmelszelt, Wie er, mußt unberührt du steh′n Vom nicht′gen Treiben dieser Welt.
Still mußt du werden wie der Fels, An dem sich wild die Brandung bricht; Ob auch ein Schifflein jach zerschellt An seinem Fuß, er fühlt es nicht.
Still mußt du werden wie der Schwan, Der lautlos schwimmt den See dahin, Wie einsam er die Fluth zertheilt, Mußt du des Lebens Kreise zieh′n.
So stolz mußt steh′n du, so allein, Dann wirst du froh und glücklich sein./ Doch ach! du seufzest leise: nein, Nicht froh, nicht glücklich werd′ ich sein!
O, ich versteh′ dich, glühend Herz, Zu heiß liebst du das Leben noch, Trotz seinen Schmerzen, seiner Qual, Trotz seiner Noth liebst du es doch.
So schlag′ in Menschenleid und Lust, So dulde denn und klage nicht, Sei einsam eher nicht und kalt, Nicht still, als bis der Tod dich bricht!
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Interpretation
Das Gedicht "Guter Rath" von Luise Büchner handelt von der Suche nach innerer Ruhe und Gelassenheit in einer hektischen Welt. Die Autorin gibt Ratschläge, wie man ein friedliches und glückliches Leben führen kann, indem man sich von äußeren Einflüssen und Emotionen distanziert. In den ersten drei Strophen werden verschiedene Metaphern verwendet, um die gewünschte Ruhe zu verdeutlichen. Das Herz soll still werden wie ein Stern am Himmelszelt, unberührt vom Treiben der Welt. Es soll still werden wie ein Fels, an dem sich die Brandung bricht, ohne von einem Schiff, das zerschellt, beeindruckt zu sein. Und es soll still werden wie ein Schwan, der lautlos den See durchschwimmt und die Einsamkeit der Flut erträgt. Die vierte Strophe zeigt jedoch, dass der Ratsuchende diese Ruhe und Gelassenheit nicht erreichen kann. Er seufzt leise "nein" und gibt zu, dass er nicht froh und glücklich sein wird, wenn er sich von seinen Emotionen und der Liebe zum Leben distanziert. In der fünften Strophe erklärt die Autorin, dass sie das glühende Herz des Ratsuchenden versteht. Es liebt das Leben trotz seiner Schmerzen, Qualen und Not zu sehr, um es aufzugeben und still zu werden. Die letzte Strophe gibt schließlich eine alternative Empfehlung. Das Herz soll in Menschenleid und Lust schlagen, leiden und nicht klagen. Es soll nicht einsam, kalt und still sein, sondern erst dann, wenn der Tod es bricht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- [Still mußt du werden Wie einsam er die Fluth zertheilt Nicht froh, nicht glücklich werd′ ich sein]
- Hyperbel
- [So stolz mußt steh′n du, so allein Nicht froh, nicht glücklich werd′ ich sein]
- Metapher
- [Still mußt du werden, pochend Herz Still wie der Stern am Himmelszelt Still mußt du werden wie der Fels Still mußt du werden wie der Schwan]
- Personifikation
- [pochend Herz O, ich versteh′ dich, glühend Herz]
- Vergleich
- [Still wie der Stern am Himmelszelt Still mußt du werden wie der Fels Still mußt du werden wie der Schwan]
- Wiederholung
- [Still mußt du werden So stolz mußt steh′n du, so allein Nicht froh, nicht glücklich werd′ ich sein]