Gute Nacht
1827Fremd bin ich eingezogen, Fremd zieh′ ich wieder aus. Der Mai war mir gewogen Mit manchem Blumenstrauß. Das Mädchen sprach von Liebe, Die Mutter gar von Eh′ - Nun ist die Welt so trübe, Der Weg gehüllt in Schnee.
Ich kann zu meiner Reisen Nicht wählen mit der Zeit: Muß selbst den Weg mir weisen In dieser Dunkelheit. Es zieht ein Mondenschatten Als mein Gefährte mit, Und auf den weißen Matten Such′ ich des Wildes Tritt.
Was soll ich länger weilen, Bis man mich trieb′ hinaus? Laß irre Hunde heulen Vor ihres Herren Haus! Die Liebe liebt das Wandern, - Gott hat sie so gemacht - Von Einem zu dem Andern - Fein Liebchen, Gute Nacht!
Will dich im Traum nicht stören, Wär′ Schad′ um deine Ruh′, Sollst meinen Tritt nicht hören - Sacht, sacht die Thüre zu! Ich schreibe nur im Gehen An′s Thor noch gute Nacht, Damit du mögest sehen, Ich hab′ an dich gedacht.
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Interpretation
Das Gedicht "Gute Nacht" von Wilhelm Müller handelt von einem Reisenden, der eine Unterkunft verlässt und seine Reise fortsetzt. Das Gedicht ist in vier Strophen gegliedert, die jeweils aus vier Versen bestehen. Die erste Strophe beschreibt den Abschied des Reisenden. Er ist ein Fremder, der gekommen ist und wieder geht. Der Mai war ihm freundlich gesinnt und schenkte ihm Blumen. Das Mädchen sprach von Liebe, die Mutter von Ehre. Doch nun ist die Welt trübe und der Weg von Schnee bedeckt. Die zweite Strophe thematisiert die Reise selbst. Der Reisende kann die Zeit nicht wählen und muss sich im Dunkeln seinen Weg suchen. Ein Mondenschatten begleitet ihn und auf den weißen Matten sucht er die Tritte der Tiere. Die dritte Strophe zeigt die Entschlossenheit des Reisenden, weiterzuziehen. Er fragt sich, warum er länger bleiben soll, bis man ihn hinausdrängt. Er lässt die Hunde vor dem Haus ihres Herrn heulen. Die Liebe liebt das Wandern, so hat es Gott gemacht. Von einem zum anderen - fein Liebchen, gute Nacht! Die vierte und letzte Strophe ist eine Art Abschiedsgruss an die Bewohnerin des Hauses. Der Reisende will sie im Traum nicht stören und verschliesst die Tür leise. Er schreibt noch einen Gruss ans Tor, damit sie sieht, dass er an sie gedacht hat.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Sacht, sacht die Thüre zu.
- Anapher
- Fremd bin ich eingezogen, Fremd zieh′ ich wieder aus.
- Bildsprache
- Auf den weißen Matten such′ ich des Wildes Tritt.
- Enjambement
- Ich kann zu meiner Reisen Nicht wählen mit der Zeit:
- Hyperbel
- Muß selbst den Weg mir weisen in dieser Dunkelheit.
- Ironie
- Laß irre Hunde heulen vor ihres Herren Haus!
- Kontrast
- Fremd eingezogen, doch die Welt war mir gewogen.
- Metapher
- Der Weg gehüllt in Schnee.
- Personifikation
- Die Liebe liebt das Wandern.
- Symbolik
- Mondenschatten als Gefährte.