Grotte der Egeria

Wilhelm Friedrich Waiblinger

1792

Numa Pompil, noch wölbt sich die heilige Grotte der Nymphe, Und der lebendige Quell sprudelt noch immer in ihr, Wo mit Unsterblichem einst der Sterbliche traulich verkehrte, Und die Weisheit die Frucht solcher Umarmungen war. Jetzt besucht sie der Britte dafür, doch die Nymph′ ist verschwunden, Und die Weisheit wird nun besser von Nibby docirt.

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Interpretation

Das Gedicht "Grotte der Egeria" von Wilhelm Friedrich Waiblinger thematisiert den Verfall einer einst heiligen Stätte. Die Grotte der Nymphe Egeria, in der der legendäre römische König Numa Pompilius einst Weisheit empfing, existiert zwar noch, doch die spirituelle Kraft ist verloren gegangen. Der Brunnen sprudelt noch immer, doch die Nymphe selbst ist verschwunden. Die zweite Strophe führt den "Briten" ein, der heute die Grotte besucht, jedoch nicht mehr die göttliche Weisheit empfängt. Stattdessen wird er von Nibby, vermutlich einem Gelehrten oder Reiseführer, unterrichtet. Dies deutet auf einen Wandel von der mystischen, übernatürlichen Quelle der Erkenntnis hin zu einer rein akademischen, weltlichen Form des Wissens. Waiblinger beklagt den Verlust des Mystischen und Heiligen in der modernen Welt. Die einstige Verbindung zwischen Sterblichen und Unsterblichen, die Quelle tiefster Weisheit, ist einer rein rationalen, gelehrten Form des Wissens gewichen. Die Grotte ist zu einem touristischen oder akademischen Ort geworden, beraubt ihrer ursprünglichen spirituellen Bedeutung.

Schlüsselwörter

weisheit numa pompil wölbt heilige grotte nymphe lebendige

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Stilmittel

Anspielung
Numa Pompil, noch wölbt sich die heilige Grotte der Nymphe
Ironie
Jetzt besucht sie der Britte dafür, doch die Nymph′ ist verschwunden
Kontrast
Und die Weisheit wird nun besser von Nibby docirt
Metapher
Noch wölbt sich die heilige Grotte der Nymphe
Personifikation
Und der lebendige Quell sprudelt noch immer in ihr