Griechheit

Friedrich von Schiller

1775

Kaum hat das kalte Fieber der Gallomanie uns verlassen, Bricht in der Gräkomanie gar noch ein hitziges aus. Griechheit, was war sie? Verstand und Maß udn Klarheit! Drum dächt′ ich, Etwas Geduld noch, ihr Herrn, eh′ ihr von Griechheit uns sprecht! Eine würdige Sache verfechtet ihr; nur mit Verstande, Bitt′ ich, dass sie zum Spott und zum Gelächter nicht wird.

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Illustration zu Griechheit

Interpretation

Das Gedicht "Griechheit" von Friedrich von Schiller kritisiert den Zeitgeist, der nach dem Ende der "Gallomanie" in eine "Gräkomanie" umschlägt. Schiller warnt davor, dass die Begeisterung für die griechische Kultur in eine übertriebene und unkritische Verehrung ausarten könnte. Er betont, dass die wahre Griechheit durch Verstand, Maß und Klarheit gekennzeichnet war, und fordert die Zeitgenossen auf, mit Geduld und Vernunft über die griechische Kultur zu sprechen. Schiller möchte verhindern, dass die Sache der Griechheit zum Spott und Gelächter wird, weil sie von den Anhängern zu unkritisch und übertrieben vertreten wird. Schiller versteht unter Griechheit nicht nur eine ästhetische oder kulturelle Vorliebe, sondern eine Haltung, die von rationalem Denken und einem ausgewogenen Maß geprägt ist. Er kritisiert die Neigung, sich blind und fanatisch einer Sache zu verschreiben, ohne sie kritisch zu hinterfragen. Die "kalte Fieber" der Gallomanie und die "hitze" der Gräkomanie sind Metaphern für die emotionale und unkontrollierte Begeisterung, die Schiller ablehnt. Er plädiert für eine nüchterne und vernünftige Auseinandersetzung mit der griechischen Kultur, die nicht von blindem Fanatismus getrieben ist. Das Gedicht ist eine Mahnung an die Zeitgenossen, sich nicht von modischen Strömungen vereinnahmen zu lassen und die griechische Kultur nicht zu einer bloßen Modeerscheinung zu degradieren. Schiller fordert dazu auf, die Griechheit als eine würdige Sache zu verteidigen, aber dabei den Verstand walten zu lassen. Nur so kann die Sache der Griechheit respektiert und nicht zum Gegenstand des Spotts werden. Das Gedicht ist somit eine zeitlose Warnung vor Übertreibung und eine Aufforderung zu einem ausgewogenen und klugen Umgang mit kulturellen Idealen.

Schlüsselwörter

griechheit kaum kalte fieber gallomanie verlassen bricht gräkomanie

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Stilmittel

Akkumulation
Verstand und Maß und Klarheit
Anrede / Appell
Etwas Geduld noch, ihr Herrn
Antithese
kaltes Fieber / hitziges
Apostrophe
ihr Herrn
Metapher
das kalte Fieber / ein hitziges [Fieber]
Neologismus
Gallomanie / Gräkomanie
Rhetorische Frage
Griechheit, was war sie?
Tautologie
zum Spott und zum Gelächter