Grabschrift

Heinrich Christian Boie

unbekannt

Gehe dies Grab nicht vorbei!

Wer liegt da?

Lykon der Schwelger.

Der am Podagra starb?

Richtig. Was wundert dich dran?

Daß er sonst auf Krücken einhergieng, jetzo in einer Nacht mit hurtigem Fuß bis zu dem Tartaros lief.

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Illustration zu Grabschrift

Interpretation

Das Gedicht "Grabschrift" von Heinrich Christian Boie beschreibt die Ironie des Lebens und Todes eines Mannes namens Lykon. Die Inschrift auf seinem Grab lädt den Vorübergehenden ein, innezuhalten und sich über das Schicksal des Verstorbenen zu wundern. Lykon, ein Schwelger, der an Podagra, einer schweren Gichtform, litt, wurde zu Lebzeiten durch Krücken behindert. Doch im Tod findet er eine unerwartete Freiheit. Der letzte Vers des Gedichts verdeutlicht die bittere Ironie von Lygons Schicksal. Trotz seiner körperlichen Einschränkungen im Leben, ermöglicht ihm der Tod, "hurtig" oder schnell, in die Unterwelt, den Tartaros, zu gelangen. Boie nutzt diese Wendung, um die Absurdität des Lebens und die Unberechenbarkeit des Todes zu betonen. Die Schnelligkeit, mit der Lykon nach seinem Tod unterwegs ist, steht im krassen Gegensatz zu seiner Behinderung zu Lebzeiten. Durch diese Grabinschrift regt Boie den Leser dazu an, über die Vergänglichkeit des Lebens und die unausweichliche Gleichheit im Tod nachzudenken. Unabhängig von den körperlichen oder gesellschaftlichen Einschränkungen, die man im Leben erfährt, bietet der Tod eine Art Befreiung oder Flucht. Das Gedicht dient als Erinnerung daran, dass das Leben vergänglich ist und dass der Tod alle Unterschiede auslöscht.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Gehe dieses Grab nicht vorbei!
Ironie
Richtig. Was wundert dich dran?
Metapher
mit hurtigem Fuß bis zu dem Tartaros lief
Rhetorische Frage
Wer liegt da?