Grabschrift Marianae Gryphiae
unknownBrudern Pauli Töchterlein
Geboren in der Flucht, umringt mit Schwert und Brand, Schier in dem Rauch erstickt, der Mutter herbes Pfand, Des Vatern höchste Furcht, die an das Licht gedrungen, Als die ergrimmte Glut mein Vaterland verschlungen. Ich habe diese Welt beschaut und bald gesegnet: Weil mir auf einen Tag all′ Angst der Welt begegnet. Wo ihr die Tage zählt; so bin ich jung verschwunden, sehr alt; wofern ihr schätzt, was ich für Angst empfunden!
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Interpretation
Das Gedicht "Grabschrift Marianae Gryphiae" von Andreas Gryphius handelt von einem Mädchen namens Maria, das in einer Zeit des Krieges und der Zerstörung geboren wurde. Die Umstände ihrer Geburt waren von Angst und Gefahr geprägt, da sie von Flammen und Schwertern umgeben war. Das Gedicht beschreibt, wie Maria als "bittere Gabe" ihrer Mutter und als größte Sorge ihres Vaters zur Welt kam, als das Land ihrer Eltern von der "ergrimmten Glut" verschlungen wurde. Die Interpretation des Gedichts legt nahe, dass Maria trotz ihrer kurzen Lebenszeit eine tiefe Erfahrung von Angst und Leid gemacht hat. Sie hat die Welt nur für einen kurzen Moment erblickt und dann "gesegnet", da ihr an einem einzigen Tag alle Ängste der Welt begegnet sind. Das Gedicht betont die Tragik ihres frühen Todes, indem es darauf hinweist, dass sie je nach Perspektive jung oder alt war - jung in Jahren, aber alt an Erfahrung und erlittenem Leid. Insgesamt vermittelt das Gedicht einen tiefen Sinn für die Vergänglichkeit des Lebens und die Auswirkungen von Krieg und Gewalt auf unschuldige Kinder. Es ruft zur Reflexion über die Kosten des Konflikts und die Bedeutung von Frieden und Sicherheit für zukünftige Generationen auf.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Weil mir auf einen Tag all' Angst der Welt begegnet
- Kontrast
- Wo ihr die Tage zählt; so bin ich jung verschwunden, sehr alt; wofern ihr schätzt, was ich für Angst empfunden!
- Metapher
- Schier in dem Rauch erstickt, der Mutter herbes Pfand
- Personifikation
- Weil mir auf einen Tag all' Angst der Welt begegnet