Grabschrift eines Ziegeiners

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

1616

In strenger Wanderschafft bracht ich mein Leben hin Zwey Reime lehren dich / wer ich gewesen bin. Aegypten / Ungern / Schweitz / Beeltzebub und Schwaben Hat mich genennt / erzeugt / genehrt / erwürgt / begraben.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Grabschrift eines Ziegeiners

Interpretation

Das Gedicht "Grabschrift eines Ziegeiners" von Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau ist eine knappe, aber tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Leben und Tod eines Ziegenhirten. Der Titel verweist bereits auf das Genre der Grabschrift, das traditionell eine kurze, prägnante Zusammenfassung des Lebens und des Todes einer Person bietet. Die knappe Form des Gedichts spiegelt die Kürze des Lebens und die Endgültigkeit des Todes wider. Das Gedicht beginnt mit der Aussage, dass der Ziegenhirt sein Leben in strenger Wanderschaft verbracht hat. Die "strengen" Umstände seiner Arbeit werden betont, was auf die Härte und die Anstrengungen seines Lebens hinweist. Die "zwey Reime" im zweiten Vers sind eine Anspielung auf die Form des Gedichts selbst, die als Reimgedicht strukturiert ist. Dies deutet darauf hin, dass das Gedicht als eine Art Selbstporträt oder Selbstbeschreibung des Ziegenhirten verstanden werden kann. Die Aufzählung der Orte und Personen im dritten Vers – Ägypten, Ungarn, Schweiz, Beelzebub und Schwaben – ist eine Art Lebenslauf in Stichpunkten. Sie deutet auf die weite Reise des Ziegenhirten hin, die ihn durch verschiedene Länder und Kulturen geführt hat. Die Erwähnung von Beelzebub, einem Synonym für den Teufel, fügt eine mystische oder sogar dämonische Komponente hinzu, die die Härte und die Gefahren seiner Reise unterstreicht. Der letzte Vers fasst die verschiedenen Phasen des Lebens des Ziegenhirten zusammen: Er wurde geboren ("erzeugt"), aufgezogen ("genehrt"), getötet ("erwürgt") und schließlich begraben. Dies ist eine prägnante Zusammenfassung des Lebenszyklus, die den Leser an die Vergänglichkeit des Lebens erinnert. Insgesamt ist das Gedicht eine eindringliche Reflexion über das Leben und den Tod, die in ihrer Kürze und Prägnanz eine tiefe Wahrheit über die menschliche Existenz vermittelt.

Schlüsselwörter

strenger wanderschafft bracht leben hin zwey reime lehren

Wortwolke

Wortwolke zu Grabschrift eines Ziegeiners

Stilmittel

Alliteration
strenger Wanderschafft
Aufzählung
Aegypten / Ungern / Schweitz / Beeltzebub und Schwaben
Chiasmus
Hat mich genennt / erzeugt / genehrt / erwürgt / begraben
Metapher
In strenger Wanderschafft bracht ich mein Leben hin