Grabmal einer redlichen Frauen
1648Fremder, wilstu Nachricht haben, Wer für dir hier liegt begraben? Ach, ein Schatz, den Sterbligkeit Mir vergunte kurtze Zeit! Eine Perle von der Tugend, Eine Rose von der Jugend, Gold von ungefälschter Treu, Purpur von der Scham und Scheu, Ein Christall von recht Beginnen, Ein Smaragd von keuschen Sinnen, Ein Rubin von Ehe-Gunst, Ein Opal von Hause-Kunst, Eine klare Weiber-Sonne, Eine reiche Mannes-Wonne, Ein verwahrter Wirthschaffts-Zaun, In Gefahr ein Wol-Vertraun, Eine Hand im Nahrungs-Fleisse, Eine Lufft im Sorgen-Schweisse, Zucker in der bittren Zeit, Artzney wider Harm und Leid, Freundschafft in den höchsten Nöthen, Beystand gar biß an das tödten. Lieber Leser! O, wie viel (Mehr, als ich bekennen wil,) Hat man mir nach Gottes Willen Müssen in das Grab verfüllen! Steh und dencke weiter dran, Wie der Tod so arg gethan! Fragt dich wer, was du gelesen, Der nicht bald dabey gewesen, Sprich: Von hinnen nicht gar weit Steht ein Sarckvoll Redligkeit.
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Interpretation
Das Gedicht "Grabmal einer redlichen Frauen" von Friedrich Freiherr von Logau beschreibt auf eindringliche Weise den Verlust einer tugendhaften Frau. Der Fremde, der das Grabmal liest, erfährt, dass hier eine wertvolle Frau begraben liegt, die dem Dichter nur für kurze Zeit vergönnt war. Die Verstorbene wird mit einer Reihe von Edelsteinen und kostbaren Materialien verglichen, die ihre verschiedenen positiven Eigenschaften symbolisieren. Die Frau wird als Perle der Tugend, Rose der Jugend, Gold der Treue, Purpur der Scham und Scheu, Kristall des rechten Beginns, Smaragd keuscher Sinne, Rubin der ehelichen Gunst, Opal der Hauskunst, Sonne der Frauen, Wonne der Männer, Zaun der Gastfreundschaft, Vertrauen in Gefahr, Hand im Fleiß der Ernährung, Luft im Schweiß der Sorgen, Zucker in bitterer Zeit, Arznei gegen Kummer und Leid, Freundschaft in höchster Not und Beistand bis zum Tod beschrieben. Diese Metaphern verdeutlichen die Vielschichtigkeit ihrer Persönlichkeit und die tiefe Verbundenheit des Dichters mit ihr. Das Gedicht schließt mit der Aufforderung an den Leser, über den Schmerz des Verlustes nachzudenken und die Bedeutung der Verstorbenen zu würdigen. Der letzte Vers weist darauf hin, dass das Grabmal nicht weit entfernt steht und ein Zeugnis für die Redlichkeit der Frau ist. Insgesamt vermittelt das Gedicht einen tiefen Respekt und eine große Trauer um die verstorbene Frau, deren Verlust als schwerer Schlag empfunden wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Einer Perle von der Tugend, Eine Rose von der Jugend
- Hyperbel
- Ein Schatz, den Sterbligkeit
- Metapher
- Steht ein Sarckvoll Redligkeit
- Parallelismus
- Gold von ungefälschter Treu, Purpur von der Scham und Scheu
- Personifikation
- Sterbligkeit
- Vergleich
- wie der Tod so arg gethan