Grablied

Ernst Moritz Arndt

1818

Auf! Laßt uns fröhlich singen Ein Lied von Tod und Grab! Gar herrlich soll es klingen Ins letzte Bett hinab: Des Friedhofs stiller Hügel Kein Leben deckt er zu, Der Geist schwingt frohe Flügel Und fliegt der Heimat zu.

Er sagt der grünen Erde Die letzte gute Nacht, Denn Arbeit, Not, Gefährde Sie sind mit Gott vollbracht, Die Freuden und die Mühen Der armen Sterblichkeit - Nun sieht er Kränze blühen Im Lenz der Ewigkeit.

Nun sieht er hell im Lichte, Was hier so dunkel war, Des Herzens Traumgesichte, Des Lebens Rätsel klar; Nun kann er ganz verstehen, Was Gott, was Christus ist: Wie wohl ist ihm geschehen, Daß er gestorben ist!

Drum wolln wir fröhlich singen Ein Lied von Tod und Grab, Ein Himmelslied soll klingen Ins Erdenbett hinab! Die Seele hat gewonnen Das ew′ge Morgenrot Und schaut aus heitern Wonnen Hinab auf Grab und Tod.

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Illustration zu Grablied

Interpretation

Das Gedicht "Grablied" von Ernst Moritz Arndt thematisiert den Tod als Übergang in ein höheres, freudiges Dasein. Es beginnt mit einem Aufruf zum fröhlichen Singen eines Liedes über Tod und Grab, das "herrlich" in das "letzte Bett" hinabklingen soll. Der Friedhof wird nicht als Ort des Endes, sondern als Ort der Verwandlung dargestellt, denn der Geist schwingt "frohe Flügel" und kehrt in die Heimat zurück. Die irdische Existenz mit ihren Mühen und Freuden wird als abgeschlossen betrachtet, während der Verstorbene nun im "Lenz der Ewigkeit" Kränze blühen sieht. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Klarheit und das Verständnis betont, die der Verstorbene im Jenseits erlangt. Er sieht "hell im Lichte", was auf Erden dunkel war, und erkennt die Bedeutung von Gott und Christus. Der Tod wird als Erlösung und Erfüllung dargestellt, wobei der Verstorbene sich glücklich schätzt, gestorben zu sein. Dies unterstreicht die christliche Überzeugung von der Auferstehung und dem ewigen Leben. Das Gedicht schließt mit einer Wiederholung des Aufrufs zum fröhlichen Singen, nun jedoch als "Himmelslied", das in das "Erdenbett" hinabklingt. Die Seele hat das "ewige Morgenrot" gewonnen und blickt aus heiteren Wonnen auf Grab und Tod herab. Diese Perspektive verleiht dem Tod eine positive, fast triumphale Note und betont die Überwindung des irdischen Daseins durch das ewige Leben.

Schlüsselwörter

tod grab hinab fröhlich singen lied soll klingen

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Stilmittel

Alliteration
Gar herrlich soll es klingen
Hyperbel
Ein Himmelslied soll klingen
Kontrast
Nun sieht er hell im Lichte, Was hier so dunkel war
Metapher
Des Friedhofs stiller Hügel
Personifikation
Der Geist schwingt frohe Flügel
Symbolik
Das ew′ge Morgenrot