Grab der Cäcilia Metella
1804Thurm der Einsamkeit, den ich lieb′, o festes Uralt rundes Römergebild, du Seufzer Byrons, der Campagna gerühmt als Capo di Bove!
Dich lobpreisend singet ein Lied der Dichter, Gern an Gräbern weilend, weil seine Lieben All′ im Grabe schlummern für ihn, und selbst sein Glaub′ an die Lieben.
Aber wie erreicht dich Gesang? Ein Wort ist Wenig für den Tod, und der Mensch zerstört nur, Aber baut die Vorwelt nicht auf. Doch ist der Dichter ihr Echo.
Gleich der Windharf′ ist er, die hoch in alten Moosbewachsnen Thürmen das Spiel der Lüfte Wechselnd regt, und selig verrauscht in holden Strömen von Wohllaut.
So, mein ewig Trauergewölb′, bewegst auch Du die Seele mir, wenn ich dein nur denke, Wie dein graues Rund so erhaben einsam Aus den Gebüschen.
Weit in menschenleere Campagna hinblickt, Sichtbar schon aus luftiger Ferne, krönend Deinen Hügel, wie mit des Schattengottes Mächtiger Krone.
Denn vor dir, o König der öden Wildniß, Neigen tief die Nachbarn sich, der Cypressen Melancholisch Heldengewächs, gesellt der Schweigenden Trauer,
Neigt sich halb verschüttet Gemäu′r, durchbrochner Thürme Wand, verwitterte Reste langer Blut′ger Kämpfe, die der Colonna stolzes Haus mit dem Stuhle
Petri einst in kräftigen Ritterzeiten Durchfocht. Solche Nachbarn in hoher Ruhe Ueberschau′st du: selbst in die tempelvollen, Unübersehbar′n
Römerebnen blickst du hinaus, die Rennbahn Legte Caracalla zu deinen Füßen, Und in jenem Hügel verbirgt die schatt′ge Grotte des Numa
Dir die heil′ge Quelle, bei deren Kühlung Er in stillem Umgang mit einer Gottheit Einst der siebenhüglichen Roma große Zukunft berathen.
Und sie selbst, der ird′sche Olympus, lächelt Dir entgegen, glänzend im Lichte der Sonne, Dort vom paradiesischen immergrünen Hügel des Janus,
Mit St. Petri Kuppel, die eines Erdballs Schattenbild vergleichbar, im Himmel dunkelt, Hingestreckt die Berge, von allem Schönen Wahrlich das schönste.
Forschend sieht das Auge der Appia lange Gräbervolle Linie hin, bis wo dort Hinter sanften Hügeln und Rebengärten Finster der Mauer
Riesenwerke ragen, und durch des Thores Düstre Majestät und durch Drusus Bogen Geist und Herz endlos zu der Scipionen Grabe hinabschweift.
Und der Wind treibt Wolken die Stadt hinüber, Daß in Schatten sinken die Kirchen alle. O ihr Götter! sterben ist schön in Rom, doch Schöner zu leben.
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Interpretation
Das Gedicht "Grab der Cäcilia Metella" von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine eindringliche Reflexion über die Vergänglichkeit und die zeitlose Schönheit Roms. Der Dichter betrachtet das antike Grabmal als Symbol der Einsamkeit und der Vergangenheit, das ihn tief berührt. Er vergleicht sich selbst mit einer Windharfe, die die Klänge der Vorwelt widerhallen lässt und somit als Echo der Vergangenheit fungiert. Das Grab wird als majestätisch und erhaben beschrieben, umgeben von der melancholischen Natur der Campagna und den Ruinen vergangener Kämpfe. Waiblinger betont die tiefe Verbindung zwischen dem Grab und der Geschichte Roms, von den alten Tempeln bis hin zu den bedeutenden Persönlichkeiten wie Numa und den Scipionen. Die poetische Sprache und die reichen Bilder vermitteln ein Gefühl der Ehrfurcht vor der Vergangenheit und der Schönheit Roms. Waiblinger beschreibt die Umgebung des Grabes mit großer Detailgenauigkeit, von den Cypressen bis hin zu den fernen Hügeln und der Kuppel des Petersdoms. Er verwebt die Elemente der Natur, der Geschichte und der Architektur zu einem faszinierenden Panorama, das den Betrachter in seinen Bann zieht. Das Gedicht ist eine Hommage an die zeitlose Anziehungskraft Roms und die tiefe emotionale Wirkung, die die antiken Ruinen auf den Betrachter ausüben. Abschließend reflektiert Waiblinger über die Dualität von Leben und Tod in Rom. Er stellt fest, dass der Tod in Rom eine besondere Schönheit besitzt, aber das Leben selbst noch schöner ist. Diese Schlussfolgerung unterstreicht die tiefe Verbundenheit des Dichters mit der Stadt und ihrer Geschichte. Das Gedicht ist eine poetische Reise durch die Zeit, die den Leser einlädt, die Schönheit und die Vergänglichkeit des Lebens inmitten der ewigen Stadt zu würdigen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- melancholisch Heldengewächs
- Anapher
- Neigt sich halb verschüttet Gemäu′r, durchbrochner Thürme Wand, verwitterte Reste langer Blut′ger Kämpfe
- Hyperbel
- O ihr Götter! sterben ist schön in Rom, doch Schöner zu leben
- Metapher
- ird′sche Olympus
- Personifikation
- Und der Wind treibt Wolken die Stadt hinüber
- Symbolik
- Capo di Bovo
- Vergleich
- die eines Erdballs Schattenbild vergleichbar