Gottesdienst
1938Der Gottesdienst, seht, wie er geht In vollem Schwang auf ganzer Erden Mit Mönch- und Nonn und Pfaffewerden, Mit Kuttentragen, Kopfbescheren, Tag und Nacht in Kirchen plärren, Metten, Prim, Terz, Vesper, Komplet, Mit Wachen, Fasten, langem Gebet, Mit Gertenhauen, kreuzweis Liegen, Mit Knieen, Steigen, Bücken, Biegen, Mit Glockenläuten, Orgelschlagen, Mit Reliquien-, Kerzen-, Fahnentragen, Mit Räuchern und mit Glockentaufen, Mit Lampenschnüren, Gnad-Verkaufen, Mit Kirchen-, Wachs-, Salz-, Wasserweihen. - Und ebenso ist’s bei den Laien: Mit Opfern und mit Lichtlein brennen, Mit Wallfahrten, zu Heil’gen rennen, Mit Abendfasten, Tagesfeiern Und Beichten nach den alten Leiern, Mit Brüderschaften, Rosenkränzen, Mit Ablaßlesen, Kirchscharwenzen, Mit Pacemküssen, Reliquienschauen, Mit Messenstiften, Kirchenbauen, Mit großen Kosten die Altäre zieren: Bilder auf die welschen Manieren, Samtene Meßgewand, Kelche gülden, Mit Monstranzen und silbernen Bilden, In Klöster schaffen Zins und Rent’;- Dies “Gottesdienst” der Papst benennt Und spricht man wirbt damit den Himmel Und löst mit ab der Sünden Schimmel. - Und wenn man’s sich besieht bei Licht, Ist alles auf das Geld gericht’t.
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Interpretation
Das Gedicht "Gottesdienst" von Hans Sachs kritisiert die äußerlichen und materiellen Aspekte des religiösen Lebens im späten Mittelalter. Sachs beschreibt detailliert die zahlreichen Rituale und Praktiken, die von Klerus und Laien ausgeführt werden, wie Messen, Wallfahrten, Beichten und die Verschönerung von Kirchen. Er hebt die übermäßige Betonung auf äußerliche Handlungen und materielle Opfergaben hervor, die oft mehr auf das Anhäufen von Reichtum als auf echte Frömmigkeit abzielen. Sachs verwendet eine Liste von religiösen Aktivitäten, um die Fülle und Vielfalt der Praktiken zu illustrieren, die den Alltag der Menschen bestimmen. Diese Aufzählung dient dazu, die Komplexität und den Umfang des religiösen Lebens zu zeigen, aber auch um zu verdeutlichen, wie sehr diese Praktiken von materiellen Interessen durchdrungen sind. Die Erwähnung von kostbaren Messgewändern, goldenen Kelchen und aufwendigen Altären unterstreicht die Kritik an der Kommerzialisierung der Religion. Der abschließende Kommentar des Dichters, dass "alles auf das Geld gericht't" ist, fasst die zentrale Kritik des Gedichts zusammen. Sachs wirft der Kirche vor, den Glauben und die spirituellen Aspekte der Religion durch einen Fokus auf finanzielle Gewinne und äußerliche Darstellungen zu verdrängen. Das Gedicht dient somit als eine scharfe Anklage gegen die Missstände in der Kirche und fordert eine Rückkehr zu einer authentischeren Form des Glaubens, die weniger auf materiellen Reichtum und mehr auf spirituelle Werte ausgerichtet ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Mit Monstranzen und silbernen Bilden
- Anapher
- Der Gottesdienst, seht, wie er geht In vollem Schwang auf ganzer Erden Mit Mönch- und Nonn und Pfaffewerden, Mit Kuttentragen, Kopfbescheren, Tag und Nacht in Kirchen plärren, Metten, Prim, Terz, Vesper, Komplet, Mit Wachen, Fasten, langem Gebet, Mit Gertenhauen, kreuzweis Liegen, Mit Knieen, Steigen, Bücken, Biegen, Mit Glockenläuten, Orgelschlagen, Mit Reliquien-, Kerzen-, Fahnentragen, Mit Räuchern und mit Glockentaufen, Mit Lampenschnüren, Gnad-Verkaufen, Mit Kirchen-, Wachs-, Salz-, Wasserweihen.
- Hyperbel
- Und spricht man wirbt damit den Himmel Und löst mit ab der Sünden Schimmel.
- Ironie
- Dies 'Gottesdienst' der Papst benennt Und spricht man wirbt damit den Himmel Und löst mit ab der Sünden Schimmel.
- Metapher
- Und wenn man's sich besehen bei Licht, Ist alles auf das Geld gericht't.
- Parallelismus
- Mit Mönch- und Nonn und Pfaffewerden, Mit Kuttentragen, Kopfbescheren, Tag und Nacht in Kirchen plärren, Metten, Prim, Terz, Vesper, Komplet, Mit Wachen, Fasten, langem Gebet, Mit Gertenhauen, kreuzweis Liegen, Mit Knieen, Steigen, Bücken, Biegen, Mit Glockenläuten, Orgelschlagen, Mit Reliquien-, Kerzen-, Fahnentragen, Mit Räuchern und mit Glockentaufen, Mit Lampenschnüren, Gnad-Verkaufen, Mit Kirchen-, Wachs-, Salz-, Wasserweihen.