Gott-lobendes Frülings-Lied
1649Gott sperrt die Erden auf / als seines Schatzes Kasten / der einig Schlüssel ist / sein Wort / durch dessen Krafft ihr / käumen / wurzen / grün- und blühen wird verschafft. Es würkt den Wachsthums Safft in Erd- und Sternen-Brüsten / Ja kan die ganz Natur zur Freud und Wollust rüsten. Es ist der Wurzel Geist / der Gräslein Herzens-Safft / der Blumen LebensLufft / mit süssem Thau behafft / kurz / der Geschöpffe Ruh / nach dem sie all gelüsten: Es zeigt uns Gott in ihm / als in dem Spiegel Glanz / und weist uns selben auch in all-erschaffnen Dingen: wie seine Schön′ herblickt aus bunten Blumen Kranz. Sein Süßheit sich zu Mund will aus den Früchten schwingen. Ja alls / was sichtbar nur / ist Gottes Ebenbild / wie schön / süß / gut er sey / wie hoch! wie reich! wie mild.
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Interpretation
Das Gedicht "Gott-lobendes Frülings-Lied" von Catharina Regina von Greiffenberg preist die Schöpfungskraft Gottes und ihre Manifestation im Frühling. Das lyrische Ich vergleicht die Erde mit einem Schatzkästchen, das Gott durch sein Wort öffnet. Dieses göttliche Wort ist der Schlüssel, der alles Wachsen und Gedeihen ermöglicht. Die Natur wird als lebendig und sinnlich beschrieben, sie wird durch das Wort Gottes zur Freude und Wollust gerüstet. Das Gedicht betont die Schönheit und den Reichtum der Schöpfung als Spiegelbild der göttlichen Vollkommenheit. Das Gedicht stellt das Wort Gottes als den Geist der Wurzeln, das Herzblut des Grases und die Lebensluft der Blumen dar. Diese Metaphern verdeutlichen die lebensspendende und erhaltende Kraft des göttlichen Wortes in der Natur. Die Schöpfung wird als Antwort auf das Verlangen der Geschöpfe nach Ruhe und Erfüllung dargestellt. Das lyrische Ich sieht in allem Sichtbaren ein Abbild Gottes, das seine Schönheit, Süße, Güte, Hoheit, Reichtum und Milde widerspiegelt. Der Frühling wird als Manifestation der göttlichen Attribute interpretiert. Das Gedicht schließt mit einer Anrufung Gottes als "reiner Geist" und "höchstes Gut". Das lyrische Ich bittet Gott, es möge in ihm ruhen und in ihm sein ewiges Leben haben. Dieses abschließende Gebet verbindet die Betrachtung der äußeren Natur mit dem inneren spirituellen Erleben. Das Gedicht vermittelt eine tiefe religiöse Erfahrung, die durch die sinnliche Wahrnehmung der Frühlingsnatur ausgelöst wird und in der Anbetung des Schöpfers mündet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- hyperbel
- wie schön / süß / gut er sey / wie hoch! wie reich! wie mild
- metapher
- Gott sperrt die Erden auf / als seines Schatzes Kasten; Es ist der Wurzel Geist / der Gräslein Herzens-Safft; der Blumen LebensLufft; Gottes Ebenbild
- personifikation
- Es würkt den Wachsthums Safft in Erd- und Sternen-Brüsten; Sein Süßheit sich zu Mund will aus den Früchten schwingen
- symbolik
- Schlüssel ist / sein Wort; Süßheit sich zu Mund will aus den Früchten schwingen