GOtt-Lobendes Frülings Lied

Catharina Regina von Greiffenberg

1649

Angenehme Frülings Zeit Ebenbild der Ewigkeit Spiegel künfftig-süsser Wonne wie die klare See der Sonne! Königin der Jahres-theile schon-gekrönt mit Blumen Zier! meine Feder setzt ihr für dich zu rühmen in der Eile.

GOttes süsser Athem-Tufft blies’ aus / deiner Bisen-Lufft erste Tochter seiner Witze seines schönen Wesens Blitze all-verneutes Erden-Leben! Fünklein seiner Lieblichkeit die er dorten uns bereit! Lufft / in der die Freuden schweben!

Blumen-Adler / Noha-Taub! du bringst uns Erlaubnus-Laub in die Neue Welt zu gehen. Fönix / der nun zu erstehen aus des Winters Asche pfleget! überschwänglich-süsse Lust! alles Uberflusses Brust welche Milch und Nectar heget!

Tugend-Freundin / Weißheit-Ruh Musen-Schwester! laß mir zu meine ungestimmte Leyren die schon lange Zeit must feyren dich erhebend’ anzustimmen und ein Liedlein dir zu Preiß: zwar auff meine Bauren Weiß die nicht Sternen-an kan klimmen

Safft aus GOttes Allmacht-qvell strahle seiner Wunder-Seel Krafft der unergründten Kräffte schönstes Himmel-Lauffs geschäffte Haupt-Ergetzung aller Sachen! du bleibst von mir unerreicht keine Macht noch Pracht dir gleicht. kurz! du bist des höchsten Lachen.

Ich verlieb mich zwar in dich: doch seh ich noch übersich. Bist zwar schön: doch nur ein Schatten künfftig-heller Wunder-Thaten. Dorthin / die Gedanken fanken richten ihre Flügelfahrt. Doch / in dem ich der erwart will ich GOtt für diese danken.

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Illustration zu GOtt-Lobendes Frülings Lied

Interpretation

Das Gedicht "GOTT-Lobendes Frühlings Lied" von Catharina Regina von Greiffenberg ist ein Loblied auf den Frühling, das diesen als Spiegelbild der Ewigkeit und Vorboten zukünftiger Freude feiert. Die Autorin vergleicht den Frühling mit einer Königin der Jahreszeiten, die bereits mit Blumen geschmückt ist und deren Lob sie mit ihrer Feder eilig preisen möchte. Im zweiten Teil des Gedichts wird der Frühling als Gottes süßer Atemhauch und erneuernde Kraft der Erde beschrieben. Er wird als Funke der Lieblichkeit und als Luft, in der die Freuden schweben, dargestellt. Die Autorin verwendet dabei zahlreiche Metaphern und Vergleiche, um die Schönheit und Erneuerungskraft des Frühlings zu betonen. Im letzten Teil des Gedichts zeigt sich die Autorin von der Schönheit des Frühlings so sehr beeindruckt, dass sie sich in ihn verliebt, jedoch erkennt sie, dass er nur ein Schatten zukünftiger Wundertaten ist. Ihre Gedanken richten sich auf eine höhere, göttliche Ebene, und sie beschließt, Gott für die Gabe des Frühlings zu danken. Das Gedicht endet mit einer Anerkennung der Unerreichbarkeit der vollen Schönheit des Frühlings und einer Betonung seiner göttlichen Herkunft.

Schlüsselwörter

zwar zeit künfftig süsser blumen gottes lufft wunder

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Stilmittel

Metapher
Gedanken fanken
Personifikation
Tugend-Freundin / Weißheit-Ruh
Vergleich
du bist des höchsten Lachen