Goldoni

Wilhelm Friedrich Waiblinger

1804

Spendet der Gott der Freude dir einen Becher voll Weines, Halt ihn beisammen und wirf nicht in den Ocean ihn. So auch wäre Goldoni mir viel, doch Talent und Gedanken Seh′ ich nun leider im Meer seiner Komödien verschwemmt.

Dir wohl reicht′s zur Komödie, tritt eine Dame der andern Nur auf den Fuß, auf das Kleid, - aber nicht mir, mit Verlaub.

Die Komödie scheint nur das Kind politischer Freiheit, Drum bei den Griechen auch nur sahen politisch wir sie. Wir sind allzu politisch, um die Verkehrtheit zu geißeln, Und die Komödie hilft äußerst politisch sich durch.

Alte Freiheit wählte den Staat und das offene Leben Sich zum Schauplatz, doch uns bleiben die Stuben kaum frei. Darum zürne mir nicht, wenn unsre Komödien schlecht sind, Außerm politischen Joch blieb uns die Ehe ja nur.

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Illustration zu Goldoni

Interpretation

Das Gedicht "Goldoni" von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Werk des italienischen Dramatikers Carlo Goldoni und der Komödie als literarischem Genre im Allgemeinen. Waiblinger beklagt, dass Goldonis Talent und Gedanken in seinen Komödien verschwendet wurden, vergleichbar mit dem Wegwerfen eines vollen Weinglases ins Meer. Er kritisiert die Oberflächlichkeit der Komödie, die sich auf triviale Missgeschicke wie das Betreten des Fußes oder des Kleides einer Dame beschränkt, und stellt die Frage nach dem Wert solcher Werke. In den folgenden Strophen vertieft Waiblinger seine Kritik, indem er die Komödie als ein Produkt politischer Freiheit darstellt, das in der Antike bei den Griechen politisch geprägt war. Er argumentiert, dass die moderne Gesellschaft zu sehr in Politik verstrickt ist, um die Verkehrtheit zu geißeln, und dass die Komödie sich selbst auf politische Weise durchsetzt. Die letzte Strophe kontrastiert die antike Freiheit, die den Staat und das öffentliche Leben als Schauplatz wählte, mit der modernen Enge, in der selbst die Stuben kaum frei sind. Waiblinger deutet an, dass die schlechte Qualität der modernen Komödien eine Folge des politischen Jochs ist, unter dem die Gesellschaft leidet, wobei nur die Ehe als letzter freier Raum übrig bleibt.

Schlüsselwörter

komödie politisch komödien freiheit spendet gott freude becher

Wortwolke

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Stilmittel

Bildsprache
Halt ihn beisammen und wirf nicht in den Ocean ihn
Generalisierung
Wir sind allzu politisch, um die Verkehrtheit zu geißeln
Historischer Vergleich
Alte Freiheit wählte den Staat und das offene Leben Sich zum Schauplatz
Ironie
Dir wohl reicht's zur Komödie, tritt eine Dame der andern Nur auf den Fuß, auf das Kleid, - aber nicht mir, mit Verlaub
Kausale Beziehung
Die Komödie scheint nur das Kind politischer Freiheit
Klage
Darum zürne mir nicht, wenn unsre Komödien schlecht sind
Kontrast
Talent und Gedanken ... im Meer seiner Komödien verschwemmt
Kritik
Außerm politischen Joch blieb uns die Ehe ja nur
Metapher
Spendet der Gott der Freude dir einen Becher voll Weines