Göttermahl
1825Wo die Tannen finstre Schatten werfen Über Hänge goldbesonnt, Unverwundet von der Firne Schärfen Blaut der reine Horizont,
Wo das Spiel den rastlos wehnden Winden Kein Gebälk und keine Mauer wehrt, Wo, wie einer dunkeln Sorge Schwinden, Jede Wolke sich verzehrt,
Wo das braune Rind, wie Juno schauend, Weidet und mit heller Glocke tönt, Wo das Zicklein, lüstern wiederkauend, Den bemoosten Felsen krönt,
Schlürf ich kühle Luft und wilde Würzen, Mit den selgen Göttern kost ich da - Die mich nicht aus ihrem Himmel stürzen - Nektar und Ambrosia!
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Interpretation
Das Gedicht "Göttermahl" von Conrad Ferdinand Meyer beschreibt eine idyllische Naturlandschaft, die der Dichter mit den Speisen der Götter vergleicht. Er malt ein Bild von dunklen Tannen, die goldene Hänge beschatten, einem reinen blauen Horizont und einem wolkenlosen Himmel. Die unberührte Wildnis, in der weder Gebäude noch Mauern die Natur stören, wird zum Schauplatz für das "Göttermahl". Der Dichter personifiziert die Landschaft und verleiht ihr eine göttliche Qualität. Das braune Rind wird mit Juno verglichen, der römischen Göttin der Ehe und der Geburt, während das Zicklein auf dem bemoosten Felsen thront wie ein König. Die Natur wird als Ort der Reinheit und Unschuld dargestellt, an dem der Dichter die "kühle Luft und wilde Würzen" genießen kann, die er mit Nektar und Ambrosia, den Speisen der griechischen Götter, vergleicht. Das Gedicht endet mit der Aussage, dass der Dichter, solange die Götter ihn nicht aus ihrem Himmel stoßen, in dieser idyllischen Landschaft schwelgen wird. Es ist ein Loblied auf die Schönheit und Reinheit der Natur, die der Dichter als göttlich und unberührt von menschlicher Zivilisation darstellt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- kühle Luft und wilde Würzen
- Bildsprache
- Über Hänge goldbesonnt
- Metapher
- Wo die Tannen finstre Schatten werfen
- Personifikation
- Wo das Zicklein, lüstern wiederkauend
- Symbolik
- Nektar und Ambrosia
- Vergleich
- Wo das braune Rind, wie Juno schauend