Glückwündschungs-Lied

Martin Opitz

1889

Die schöne Sonne steiget, Die Lufft kriegt neue Zier, Fast kein Geflügel schweiget, Die Blumen scheinen für, Die grünen Hügel lachen, Die Saate gehet auff, Wald, Wild und Feld erwachen, Der Lentz kriegt seinen Lauff.

O Vatter, Herr der Erden, Diß wird von dir gethan; Laß doch uns auch froh werden, Sieh’ uns auch wider an, Daß deines Segens Wonne Bald möge bey uns seyn, Und deiner Gnaden Sonne Uns gebe neuen Schein.

Laß’ uns doch nicht mehr wallen In solcher Krieges-Last, Verpflantz’ in Ruh’ vor allen Die Aeste vom Piast, Die Königlichen Aeste, Die wider ihre Schuld Ernähren frembde Gäste, In Hoffnung und Gedult.

Halt ob dem lieben Helden Georg-Rudolffen Hand, Laß bald ihn hören melden: Komm wider in dein Land; Es müsse vor dir fliehen Der Waffen schwere Last, Das Feldt und Stätte blühen, Die du zu Diensten hast.

Ihr, denen jetzt beliebet, Zu trotzen auff die Macht, Die euch der Krieg nur giebet, Seyt wol darauff bedacht, Daß Mars doch fort muß gehen; Der Fürsten hoher Stand Und sie doch bleiben stehen: Gott hält ob ihnen Hand.

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Illustration zu Glückwündschungs-Lied

Interpretation

Das Gedicht "Glückwündschungs-Lied" von Martin Opitz ist ein Loblied auf die Schönheit der Natur und den Wunsch nach Frieden und Segen. Es beginnt mit einer Beschreibung der erwachenden Natur im Frühling, symbolisiert durch die aufgehende Sonne, die blühenden Blumen und das erwachende Wild. Der Dichter preist den Schöpfer für diese Schönheit und bittet um seinen Segen und seine Gnade. Im zweiten Teil des Gedichts wendet sich der Dichter an den Vater und Herr der Erde und bittet um Frieden und Ruhe für das Land. Er wünscht sich, dass die Zweige des Piast, also die polnische Königsfamilie, in Frieden und Geduld leben können, ohne von fremden Gästen unterstützt werden zu müssen. Der Dichter bittet auch um den Schutz und die Rückkehr des Helden Georg-Rudolffen, der als Symbol für Tapferkeit und Stärke steht. Im letzten Teil des Gedichts ermahnt der Dichter diejenigen, die sich gegen die Macht des Krieges auflehnen, zur Vorsicht. Er erinnert sie daran, dass der Krieg nur vorübergehend ist und dass die Fürsten und ihre Macht von Gott geschützt werden. Der Dichter betont die Bedeutung von Frieden und Stabilität für das Wohlergehen des Landes und seiner Bewohner.

Schlüsselwörter

laß wider sonne kriegt auff bald last aeste

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Fast kein Geflügel schweiget
Apostrophe
O Vatter, Herr der Erden
Metapher
Georg-Rudolffen Hand
Personifikation
Gott hält ob ihnen Hand