Glück und Traum
1820Du hast uns oft im Traum gesehen Zusammen zum Altare gehen, Und dich als Frau und mich als Mann. Oft nahm ich wachend deinem Munde, In einer unbewachten Stunde, Soviel man Küsse nehmen kann.
Das reinste Glück, das wir empfunden, Die Wollust mancher reichen Stunden Floh wie die Zeit mit dem Genuß. Was hilft es mir, daß ich genieße? Wie Träume flieh′n die wärmsten Küsse, Und alle Freude wie ein Kuß.
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Interpretation
Das Gedicht "Glück und Traum" von Johann Wolfgang von Goethe handelt von der flüchtigen Natur von Glück und Liebe. Der Sprecher erinnert sich an Träume, in denen er mit der Geliebten zum Altar geht, was auf eine tiefe Verbindung und mögliche Ehe hindeutet. In diesen Träumen erlebt er auch intime Momente, in denen er von ihr Küsse empfängt, was die Leidenschaft und Anziehung zwischen ihnen unterstreicht. Im zweiten Teil des Gedichts reflektiert der Sprecher über die Vergänglichkeit dieser Glücksmomente. Obwohl sie die reinste Form des Glücks empfunden haben, sind diese Momente schnell vorbei, wie die Zeit, die mit dem Genuss vergeht. Der Sprecher fragt sich, was es für einen Sinn hat, diese Freuden zu genießen, wenn sie so flüchtig sind wie Träume. Die wärmsten Küsse und die größte Freude verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind, und hinterlassen ein Gefühl der Sehnsucht und des Verlustes. Das Gedicht vermittelt eine melancholische Stimmung, da der Sprecher die Vergänglichkeit der Liebe und des Glücks bedauert. Es zeigt die menschliche Erfahrung, dass selbst die intensivsten und schönsten Momente im Leben vergänglich sind und dass die Erinnerung an sie oft schmerzhafter ist als ihre Abwesenheit. Goethe nutzt die Metapher des Traums, um die flüchtige Natur dieser Erfahrungen zu verdeutlichen und den Leser zum Nachdenken über die Bedeutung von Vergänglichkeit und Verlust anzuregen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Das reinste Glück, das wir empfunden, Die Wollust mancher reichen Stunden
- Parallelismus
- Zusammen zum Altare gehen, Und dich als Frau und mich als Mann
- Personifikation
- Und alle Freude wie ein Kuß
- Vergleich
- Floh wie die Zeit mit dem Genuß
- Wiederholung
- Oft nahm ich wachend deinem Munde, In einer unbewachten Stunde