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Glück

Von

Wie jauchzt meine Seele
Und singet in sich!
Kaum, daß ichs verhehle,
So glücklich bin ich.

Rings Menschen sich drehen
Und sprechen gescheut,
Ich kann nichts verstehen,
So fröhlich zerstreut. –

Zu eng wird das Zimmer,
Wie glänzet das Feld,
Die Täler voll Schimmer,
Weit herrlich die Welt!

Gepreßt bricht die Freude
Durch Riegel und Schloß,
Fort über die Heide!
Ach, hätt ich ein Roß! –

Und frag ich und sinn ich,
Wie so mir geschehn?: –
Mein Liebchen herzinnig,
Das soll ich heut sehn!

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Gedicht: Glück von Joseph von Eichendorff

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Glück“ von Joseph von Eichendorff ist ein Ausdruck überschäumender Freude und Glückseligkeit, die den gesamten Geist und die Wahrnehmung des lyrischen Ichs ergreift. Es beschreibt einen Zustand extremer Euphorie, der sich in der Unfähigkeit manifestiert, die eigenen Gefühle zu verbergen, sowie in einer gesteigerten Wahrnehmung der umgebenden Welt. Die einfache, aber wirkungsvolle Sprache und die klare Struktur des Gedichts unterstützen die Unmittelbarkeit und Authentizität des Erlebens.

Die ersten beiden Strophen etablieren den zentralen Zustand des Glücks. Die Seele des lyrischen Ichs „jauchzt“ und „singt“, was auf eine tiefe, innere Freude hindeutet. Die äußere Welt wird durch die Menschen, die „gescheut“ sprechen, als irrelevant und distanziert wahrgenommen. Dies unterstreicht die innere Fokussierung des lyrischen Ichs und die Abwesenheit von äußerlichen Beeinträchtigungen des Glücks. Die Freude ist so überwältigend, dass sie sich in einer Art von Zerstreutheit manifestiert, die das lyrische Ich unfähig macht, die Worte anderer zu verstehen.

Die dritte und vierte Strophe erweitern das Glücksgefühl auf die physische Welt. Die Enge des Zimmers wird als unerträglich empfunden, während die Natur, mit ihren glänzenden Feldern und schimmernden Tälern, die Sehnsucht nach Freiheit und Weite weckt. Die „Freude“ wird als eine Kraft dargestellt, die sich mit aller Macht Bahn bricht, um aus den engen Grenzen auszubrechen. Das Bild des „Roßes“ steht hier für den Wunsch nach grenzenloser Bewegung und dem ungestümen Ausdruck des Glücks.

Die abschließende Strophe liefert die Erklärung für die erlebte Glückseligkeit. Die Frage nach dem „Wie“ des Glücks wird mit der erlösenden Antwort beantwortet: „Mein Liebchen herzinnig, / Das soll ich heut sehn!“. Die Aussicht auf das Wiedersehen mit der geliebten Person ist der Ursprung der Freude. Diese Erkenntnis transformiert das Gedicht von einer allgemeinen Beschreibung des Glücks zu einer Liebeserklärung, die die Quelle der Gefühle identifiziert und das Gedicht in einem romantischen Kontext verortet.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.