Gleichzeitig

Elisabeth Langgässer

1899

Mohn an der römischen Mauer, Träume von Ewigkeit her! Bachbett voll glitzernder Trauer, Gruß aus dem Marmarameer. Rostiges Eisen. Kanister. Fliegenumwimmeltes Aas. Troja und Friedhof Geschwister tief unter Nesseln und Gras.

Ausdrusch, und Welle um Welle, wenn die Maschine sich wirft. Abgesang, Mündung wird Quelle, welche sich auftrinkt und schlürft. Spelz, der den Abend verdunkelt. Plump an dem Ufer der Schwan, später von Sternen umfunkelt, pfälzischer Leda Galan.

Endlich die Wagen, die Säcke, platzend von Körnern wie eh. Wieder der Pflug und die Egge, Kalk auf den Feldern wie Schnee. Frieden und nächtliche Kühle. Uralte Steine, gesellt, drehn ruhig sich in der Mühle. Brot zur Erlösung der Welt.

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Illustration zu Gleichzeitig

Interpretation

Das Gedicht "Gleichzeitig" von Elisabeth Langgässer thematisiert die Koexistenz von Schönheit und Grausamkeit, Vergänglichkeit und Beständigkeit in der Welt. Durch die Gegenüberstellung verschiedener Bilder und Symbole wird eine tiefe Reflexion über die menschliche Existenz und die Natur des Lebens angestoßen. Die erste Strophe setzt mit Bildern wie dem Mohn an der römischen Mauer und dem Bachbett voller glitzernder Trauer eine melancholische Stimmung. Diese Symbole stehen für die Vergänglichkeit der Zeit und die ewige Sehnsucht nach etwas, das jenseits des Irdischen liegt. Die Erwähnung von Rostigem Eisen und Fliegenumwimmeltem Aas fügt eine düstere Note hinzu, die auf die Vergänglichkeit und den Kreislauf von Leben und Tod hindeutet. Die zweite Strophe vertieft diese Themen durch den Ausdruck von Trauer und Verlust. Die Maschine, die sich wirft, symbolisiert die Zerstörungskraft des Menschen und die Abgesänge, die durch die Welt hallen. Der Schwan, der später von Sternen umfunkelt wird, steht für die Hoffnung und Schönheit, die selbst in den dunkelsten Momenten existieren können. Der Verweis auf "pfälzische Leda Galan" fügt eine mythologische Dimension hinzu, die die zeitlose Natur dieser Themen unterstreicht. Die letzte Strophe bringt eine gewisse Ruhe und Erlösung. Die Wagen und Säcke, die von Körnern platzen, symbolisieren die Fülle und den Reichtum der Erde. Die Rückkehr zum Pflug und zur Egge sowie der Kalk auf den Feldern wie Schnee weisen auf den ewigen Kreislauf der Natur und die Beständigkeit des Lebens hin. Die abschließende Zeile, "Brot zur Erlösung der Welt", deutet auf die Möglichkeit der Erlösung und des Friedens durch die einfachen, aber lebenswichtigen Dinge hin, die die Natur und die menschliche Arbeit hervorbringen.

Schlüsselwörter

welle mohn römischen mauer träume ewigkeit her bachbett

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Stilmittel

Alliteration
Träume von Ewigkeit her
Bildsprache
Rostiges Eisen. Kanister. Fliegenumwimmeltes Aas.
Metapher
Brot zur Erlösung der Welt
Personifikation
Traume von Ewigkeit her