Gleichnis
1937Der Flieder neigt sich welk in zarter Trauer; Stolz glüht der Rotdorn im Gewitterschauer.
Er lächelt unter tausend blut’gen Wunden. So ist die Lieb’, die du bei mir gefunden.
Sie beugte sanft sich dir wie weißer Flieder, Schaut jetzt wie Rotdorn flammend auf dich nieder.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Gleichnis" von Gertrud Kolmar beschreibt die Entwicklung einer Liebe, die von zarter Zärtlichkeit zu leidenschaftlicher Intensität übergeht. Die erste Strophe setzt die Szene mit dem Bild des welkenden Flieders und des stolz glühenden Rotdorns im Gewitterschauer. Der Flieder symbolisiert die anfängliche Zärtlichkeit und Verletzlichkeit der Liebe, während der Rotdorn die Leidenschaft und Stärke verkörpert. Die zweite Strophe offenbart die Transformation der Liebe. Der Rotdorn lächelt trotz tausend blutiger Wunden, was auf die Opfer und Kämpfe hinweist, die mit der Leidenschaft einhergehen. Die Liebe, die der Sprecher beim Geliebten gefunden hat, hat sich von einer sanften Umarmung zu einem brennenden Blick gewandelt. Der Flieder, der sich sanft gebeugt hat, wird nun vom Rotdorn überstrahlt. Die letzte Strophe verdeutlicht den Kontrast zwischen der anfänglichen Zärtlichkeit und der gegenwärtigen Intensität. Die Liebe, die einst wie weißer Flieder sanft und einladend war, schaut nun wie ein flammender Rotdorn auf den Geliebten herab. Dieses Bild deutet auf eine Liebe hin, die gereift ist und nun mit Leidenschaft und Stärke erfüllt ist, aber auch mit der Gefahr der Zerstörung, die in der Intensität der Gefühle liegt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Gegenüberstellung
- Stolz glüht der Rotdorn im Gewitterschauer
- Gleichnis
- So ist die Lieb', die du bei mir gefunden
- Metapher
- Der Flieder neigt sich welk in zarter Trauer
- Personifikation
- Er lächelt unter tausend blut'gen Wunden
- Symbolik
- Sie beugte sanft sich dir wie weißer Flieder, Schaut jetzt wie Rotdorn flammend auf dich nieder