Gleichmuth

Sigmund von Birken

1826

O wie wohl ist der daran, Der da kann Sich begeistern, Seine Feindin Sorge meistern, Ist bei Glücke trotzig nicht, Zag im Leiden, Der behält in Leid und Freuden Ein Gesicht!

Lacht das Glück, er denkt bei sich: Hüte dich! Sonnenscheinen Kehrt sich bald in Regenweinen. Heute da auf stillem Meer Schiffe laufen, Morgen sieht man sie ersaufen Ungefähr.

Tobt das Glück, ihn trifft es nit: Sein Gemüth Felsengleiche Weichet nie, wird niemals weiche. Er sitzt allzeit klippenfest, Ob das Sausen, Ob das tolle Nordenbrausen Auf ihn bläst.

Laß den Fels bestürmen sehr Wind und Meer. Sturm und Wellen Müssen stets zurücke prellen. Es steht seiner Wurzeln Erz Unverletzet; Nur sein Außen wird benetzet, Nicht das Herz.

Tugend ist das rechte Glück, Das zurück Nimmer weichet, Glück und Unglück wohl abgleichet. Großmuth sich selbst Alles ist, Wohnet innen, Macht, daß du mit Stand der Sinnen Glücklich bist.

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Illustration zu Gleichmuth

Interpretation

Das Gedicht "Gleichmuth" von Sigmund von Birken handelt von der Bedeutung und dem Wert der inneren Ausgeglichenheit und Gelassenheit im Angesicht von Glück und Unglück. Der Dichter preist die Tugend der Gleichmut, die es einem ermöglicht, unabhängig von äußeren Umständen ein ausgeglichenes und zufriedenes Leben zu führen. Der erste Teil des Gedichts beschreibt die Vorteile eines gleichmütigen Menschen. Er ist in der Lage, sich zu begeistern, ohne von Sorgen überwältigt zu werden. Er bleibt sowohl im Glück als auch im Leid standhaft und bewahrt ein ruhiges Gesicht. Der gleichmütige Mensch ist sich bewusst, dass das Glück vergänglich ist und sich schnell in Unglück verwandeln kann, wie die Sonne in Regen umschlägt. Er lässt sich nicht von den Launen des Schicksals beeinflussen und behält seine innere Stabilität bei. Im zweiten Teil des Gedichts vergleicht der Dichter den gleichmütigen Menschen mit einem Felsen, der unerschütterlich gegen die Stürme des Lebens steht. Wind und Meer mögen ihn umgeben und versuchen, ihn zu erschüttern, doch er bleibt fest und unbeweglich. Nur seine äußere Hülle wird von den Wellen benetzt, sein Inneres bleibt jedoch unberührt. Die Tugend der Gleichmut ist das wahre Glück, das niemals weicht und Glück und Unglück ausgleicht. Die Großmut, die im Inneren des Menschen wohnt, ermöglicht es ihm, unabhängig von äußeren Umständen ein erfülltes und glückliches Leben zu führen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Großmuth sich selbst Alles ist
Parallelismus
Glück und Unglück wohl abgleichet
Personifikation
Seine Feindin Sorge
Vergleich
Felsengleiche