Glaube
1807Ich scheide, sprach der Knabe, Doch sei dir, liebe Maid, Herzinnige Treu geschworen In alle Ewigkeit.
Nun er in fernen Landen Um blut’gen Lorbeer wirbt, Dem ungetreuen Manne Die Lieb’ im Herzen stirbt.
Doch immer, immer naget In seiner Brust der Wurm, Er hört die süße Stimme Durch Schlachtengraus und Sturm.
Er sieht das klare Auge, Er schlafet oder wacht, Aufleuchtend, aufgeblättert In grabesschwarzer Nacht.
Was frommt nur alle Reue? Ruft er in wildem Zorn, Es ist ja doch im Herzen Versiegt der Liebe Born,
Das ausgebrannte Feuer, Kein Wille bringt’s zurück, So muß ich denn zertreten All ihres Lebens Glück!
Ermorden und zertreten – Du unglückselig Weib! Doch eh’ die Seel’ ich morde, Mord’ ich den zarten Leib.
Er lenkt, wie sonst, die Tritte Nach seines Liebchens Haus, Sie streckt, wie sonst, die Arme Nach dem Geliebten aus.
Liebst du mich denn noch immer Im tiefsten Herzensgrund? So ruft sie. Stumm und stille Küßt er den süßen Mund.
Die Linke hat umschlungen Einst seines Lebens Lust, Die Rechte zuckt am Messer, Durchbohrt die treue Brust.
Kind, es geschieht aus Liebe, Der bleiche Mörder spricht. Ich glaub’ es, spricht sie leise, Das treue Auge bricht.
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Interpretation
Das Gedicht "Glaube" von Friedrich Theodor Vischer erzählt eine tragische Geschichte über die zerstörerische Kraft der Eifersucht und des verlorenen Glaubens an die Treue der Geliebten. Der Knabe schwört der Maid ewige Treue, doch als er in ferne Länder zieht, um Ruhm zu erlangen, stirbt die Liebe in seinem Herzen. Dennoch nagt der Wurm der Sehnsucht an seiner Brust, und er hört die süße Stimme seiner Geliebten durch die Schlachtengraus und den Sturm. Trotz seiner Reue und seines Zorns kann er die ausgebrannte Liebe nicht zurückbringen und beschließt, das Glück seiner Geliebten zu zerstören. In einer verzweifelten Handlung kehrt der Mann zu seiner Geliebten zurück und tötet sie aus Liebe, da er glaubt, dass er sie sonst umbringen müsste. Die Maid, die ihn immer noch liebt, streckt ihre Arme nach ihm aus, und er küsst sie stumm und still. Mit seiner linken Hand umschlingt er ihre Brust, während seine rechte Hand nach dem Messer greift und ihre treue Brust durchbohrt. In ihren letzten Worten glaubt die Maid, dass es aus Liebe geschehen ist, und ihr treues Auge bricht. Das Gedicht verdeutlicht die zerstörerische Kraft der Eifersucht und des verlorenen Glaubens an die Treue der Geliebten. Es zeigt, wie die innere Zerrissenheit des Mannes zwischen seiner Sehnsucht nach der Geliebten und seiner Unfähigkeit, die Liebe zurückzubringen, zu einer tragischen Entscheidung führt. Die letzte Tat des Mannes, die Ermordung seiner Geliebten, wird als Ausdruck seiner Liebe interpretiert, da er glaubt, dass er sie sonst umbringen müsste. Die Maid, die ihn immer noch liebt, glaubt ihm und stirbt mit dem Wissen, dass ihre Liebe echt war.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Ruft er in wildem Zorn
- Metapher
- In seiner Brust der Wurm
- Personifikation
- Dem ungetreuen Manne Die Lieb' im Herzen stirbt