Glaube an die Welt

Theodor Fontane

1895

Laß ab von diesem Zweifeln, Klauben, vor dem das Beste selbst zerfällt, und wahre dir den vollen Glauben an diese Welt trotz dieser Welt.

Schau hin auf eines Weibes Züge, das lächelnd auf den Säugling blickt, und fühl’s: es ist nicht alles Lüge, was uns das Leben bringt und schickt.

Und, Herze, willst du ganz genesen, sei selber wahr, sei selber rein! Was wir in Welt und Menschen lesen, ist nur der eigene Widerschein.

Beutst du dem Geiste seine Nahrung, so laß nicht darben sein Gemüt, des Lebens höchste Offenbarung doch immer aus dem Herzen blüht.

Ein Gruß aus frischer Knabenkehle, ja mehr noch eines Kindes Lall’n kann leuchtender in deine Seele wie Weisheit aller Weisen fall’n.

Erst unter Kuß und Spiel und Scherzen erkennst du ganz, was Leben heißt; o lerne denken mit dem Herzen, und lerne fühlen mit dem Geist.

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Illustration zu Glaube an die Welt

Interpretation

Das Gedicht "Glaube an die Welt" von Theodor Fontane ruft dazu auf, Zweifel und Skepsis zu überwinden und an die Welt zu glauben, trotz ihrer Unvollkommenheiten. Der Sprecher fordert den Leser auf, den vollen Glauben an die Welt zu bewahren und sich nicht von Zweifeln und Klauben unterkriegen zu lassen. Die Welt wird als etwas Wertvolles und Liebenswertes dargestellt, das es zu schätzen gilt. Der zweite Teil des Gedichts lenkt den Blick auf die Schönheit und Unschuld des Lebens. Der Anblick eines lächelnden Weibes, das auf ihr Kind blickt, wird als Beispiel für die Wahrhaftigkeit und Echtheit des Lebens angeführt. Der Sprecher betont, dass nicht alles im Leben Lüge ist, sondern dass es auch wahre und schöne Momente gibt, die es zu erkennen und zu schätzen gilt. Im dritten Teil des Gedichts wird die Bedeutung von Aufrichtigkeit und Reinheit betont. Der Sprecher fordert das Herz auf, wahr und rein zu sein, um die Welt und die Menschen richtig wahrnehmen zu können. Es wird darauf hingewiesen, dass das, was wir in der Welt und in den Menschen lesen, nur ein Spiegelbild unseres eigenen Wesens ist. Um die Welt und die Menschen richtig zu verstehen, müssen wir selbst aufrichtig und rein sein. Der vierte Teil des Gedichts betont die Bedeutung von Emotionen und Gefühlen. Der Sprecher fordert den Leser auf, dem Geist seine Nahrung zu bieten, aber auch das Gemüt nicht verkommen zu lassen. Die höchste Offenbarung des Lebens entspringt dem Herzen und nicht nur dem Verstand. Es wird betont, dass die einfachsten und unschuldigsten Dinge, wie ein Gruß aus einer Kinderkehle oder das Lallen eines Kindes, oft mehr Erkenntnis und Erleuchtung bringen können als die Weisheit aller Weisen. Im letzten Teil des Gedichts wird die Bedeutung von Liebe, Spiel und Scherzen hervorgehoben. Erst durch diese Aspekte des Lebens können wir das Leben in seiner ganzen Tiefe und Bedeutung verstehen. Der Sprecher fordert den Leser auf, mit dem Herzen zu denken und mit dem Geist zu fühlen, um das Leben in seiner ganzen Fülle zu erfassen.

Schlüsselwörter

welt laß leben ganz selber herzen lerne zweifeln

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Stilmittel

Anapher
Lass ab von diesem Zweifeln, Klauben
Metapher
fühlen mit dem Geist
Personifikation
das Beste selbst zerfällt
Vergleich
wie Weisheit aller Weisen fall'n