Gewitter auf dem Meere
1877Es ist so ein eigener Schein, so ein grünheller innerer Ton wie eine Wiese, von der niemand weiß, wo sie herkommt und mit ihrem Wachstum leuchtet da mitten auf den Wellen, wo sie sich wie ein Hügel erheben. Höher und höher sich dehnen.
Und da am Strand zu meinen Füßen, wie Ackerkrume ist das, wie Ackerkrume mit ihren schwarzen, fruchtschwellenden Kämmen, die sich vornüber zur Seite neigen.
Wie üppige Wünsche, ungeheuer und lüstern wölbt sich das blaue Gewölk zu wilden Hallen dröhnend zuckender Leidenschaften. Bleiches Grauen in dünnen Streifen zieht darüber, ein ohnmächtiges Gewissen, das Furcht hat.
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Interpretation
Das Gedicht "Gewitter auf dem Meere" von Peter Hille schildert eine Naturbeobachtung, die sich in eindrucksvollen Bildern und Metaphern entfaltet. Der erste Teil des Gedichts beschreibt das ungewöhnliche Grün der Wellen, das wie eine geheimnisvolle Wiese wirkt und inmitten des Meeres leuchtet. Dieses Grün wird als ein "eigener Schein" und ein "grünheller innerer Ton" beschrieben, der von unbekannter Herkunft ist. Die Wellen erheben sich wie Hügel und dehnen sich immer weiter aus, was eine fast bedrohliche Atmosphäre erzeugt. Im zweiten Teil des Gedichts wendet sich der Blick des Sprechers dem Strand zu. Hier wird das Wasser mit Ackerkrume verglichen, die schwarze, fruchtschwellende Kämmen aufweist, die sich vornüber zur Seite neigen. Diese Vergleich schafft eine Verbindung zwischen dem Meer und dem Land, zwischen der Weite des Ozeans und der Fruchtbarkeit des Ackers. Die Wellen am Strand werden somit als eine Art Ernte oder als Manifestation von Wünschen und Begierden interpretiert. Der letzte Teil des Gedichts beschreibt das Gewitter, das sich am Himmel zusammenbraut. Die Wolken werden als "üppige Wünsche" und "lüsterne" Gebilde dargestellt, die sich zu "wilden Hallen" auftürmen und von "dröhnenden zuckenden Leidenschaften" erfüllt sind. Über diesen bedrohlichen Wolken zieht ein bleiches Grauen in dünnen Streifen, das als "ohnmächtiges Gewissen" beschrieben wird, das Furcht hat. Diese Metapher deutet darauf hin, dass das Gewitter nicht nur ein natürliches Phänomen ist, sondern auch eine Spiegelung menschlicher Emotionen und Ängste.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Wie üppige Wünsche, ungeheuer und lüstern
- Metapher
- zu wilden Hallen dröhnend zuckender Leidenschaften
- Personifikation
- ein ohnmächtiges Gewissen, das Furcht hat
- Vergleich
- wie Ackerkrume