Gesellschaft
1874Sind wir jung und sind nicht alt, Lieder haben viel Gewalt, Machen leicht und machen schwer, Ziehen deine Seele her.
Leben gibt es nah und fern, Was ich zeige, seht ihr gern - Nicht die Schwere vieler Erden, Nur die spielenden Gebärden.
Vieles, was mir Freude schafft, Fühl ich hier herangeflogen, Aber gar so geisterhaft: Glücklich - bin ich wie betrogen!
Einen hellen Widerschein Sehe ich im Kreise wandern-. Spürt auch jeder sich allein, Spürt sich doch in allen andern.
Und wie zwischen leichten Lichtern Flattert zwischen den Gesichtern Schwaches Lachen hin und her.
Lieder machen leicht und schwer!
Lieder haben große Kraft - Leben gibt es nah und fern.
Was sie reden, hör ich gern, Sei es immer geisterhaft.
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Interpretation
Das Gedicht "Gesellschaft" von Hugo von Hofmannsthal thematisiert die Ambivalenz gesellschaftlicher Zusammenkünfte. Es beginnt mit der Beschreibung der Macht der Lieder, die sowohl erleichtern als auch beschwerlich sein können und die Seele beeinflussen. Das Leben wird als etwas dargestellt, das sowohl nah als auch fern existiert, wobei die Menschen nur die spielerischen Gesten zeigen und die schwere Realität vieler Welten verbergen. In der zweiten Strophe wird die Freude, die durch gesellschaftliche Interaktionen entsteht, als etwas beschrieben, das wie von Geistern herangeflogen kommt, jedoch eine täuschende Qualität hat. Das Glück, das in solchen Momenten empfunden wird, wird als betrügerisch empfunden, da es oberflächlich und nicht von Dauer ist. Trotzdem gibt es einen hellen Widerschein, der sich im Kreis bewegt, was auf eine gewisse Verbundenheit hindeutet, auch wenn jeder sich allein fühlt und sich doch in den anderen spürt. Die letzte Strophe vergleicht das Lachen, das zwischen den Gesichtern flattert, mit leichten Lichtern, die eine flüchtige und fragile Atmosphäre schaffen. Die Lieder werden erneut als kraftvoll beschrieben, die das Leben sowohl nah als auch fern machen. Die Worte, die in solchen gesellschaftlichen Zusammenkünften gesprochen werden, werden gern gehört, selbst wenn sie immer geisterhaft und nicht wirklich greifbar sind. Das Gedicht vermittelt somit eine tiefere Reflexion über die Natur menschlicher Beziehungen und die oft oberflächliche, aber dennoch faszinierende Dynamik in sozialen Interaktionen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Sind wir jung und sind nicht alt
- Bildlichkeit
- Und wie zwischen leichten Lichtern Flattert zwischen den Gesichtern Schwaches Lachen hin und her
- Gleichnis
- Fühl ich hier herangeflogen
- Kontrast
- Leben gibt es nah und fern
- Metapher
- Sei es immer geisterhaft
- Parallelismus
- Was sie reden, hör ich gern
- Personifikation
- Einen hellen Widerschein Sehe ich im Kreise wandern
- Wiederholung
- Lieder machen leicht und schwer