Gesang einer gefangenen Amsel
1919Dunkler Odem im grünen Gezweig. Blaue Blumchen umschweben das Antlitz Des Einsamen, den goldnen Schritt Ersterbend unter dem Ölbaum. Aufflattert mit trunknem Flugel die Nacht. So leise blutet Demut, Tau, der langsam tropft vom blühenden Dorn. Strahlender Arme Erbarmen Umfängt ein brechendes Herz.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Gesang einer gefangenen Amsel" von Georg Trakl ist ein tiefgründiges und melancholisches Werk, das die Einsamkeit und das Leiden eines gefangenen Vogels beschreibt. Die Dunkelheit und das Grün des Gezweigs symbolisieren die Gefangenschaft und die Natur, in der sich der Vogel befindet. Die blauen Blumen, die das Gesicht des Einsamen umgeben, könnten als Zeichen der Schönheit und des Trostes interpretiert werden, die in der Gefangenschaft noch vorhanden sind. Der goldene Schritt, der unter dem Ölbaum ersterbend ist, könnte auf die Vergänglichkeit des Lebens und die Hoffnungslosigkeit der Situation hinweisen. Der Flug der Nacht, der sich mit trunkenen Flügeln erhebt, könnte die Dunkelheit und das Unbekannte symbolisieren, das den gefangenen Vogel umgibt. Die Demut, die langsam wie Tau vom blühenden Dorn tropft, könnte die Akzeptanz und die Unterwerfung unter das Schicksal ausdrücken. Das Erbarmen der strahlenden Arme, das ein brechendes Herz umfängt, könnte als Zeichen der Barmherzigkeit und des Mitgefühls interpretiert werden, die dem gefangenen Vogel zuteilwerden. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Atmosphäre von Traurigkeit, Einsamkeit und Resignation, die den Leser tief berührt und zum Nachdenken über das Schicksal des gefangenen Vogels anregt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- umfängt ein brechendes Herz
- Personifikation
- Dunkler Odem im grünen Gezweig
- Symbolik
- Tau, der langsam tropft vom blühenden Dorn