Gesang der Frühvollendeten
1932Wir denken euch im Gleiten manchmal, Lebende, Durch Traum und Ahnung und die Flut des Abends: Ihr Schmerzlichen, wenn ihr in schweren Taten Zur Tiefe sinkt. Wir stiegen steil empor, Da unserm Aufbruch keine Ziele standen, Uns grenzenlos die Wanderschaft empfing. Nun sind wir über euch, und euer fernstes Geschehen löscht, Erinnerung, vertan, Uraltes Lächeln unserer Vergangenheit.
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Interpretation
Das Gedicht "Gesang der Frühvollendeten" von Maria Luise Weissmann beschreibt die Perspektive Verstorbener auf die Lebenden. Die Toten sprechen zu den Lebenden und beschreiben, wie sie manchmal durch Träume und Ahnung an sie denken. Sie sehen den Schmerz der Lebenden, die in schweren Taten zur Tiefe sinken. Die Toten hingegen sind steil aufgestiegen, da ihnen bei ihrem Aufbruch keine Ziele im Wege standen und sie grenzenlos empfangen wurden. Nun sind sie über den Lebenden und deren fernstes Geschehen löscht, Erinnerung, vertan, wie ein uraltes Lächeln ihrer Vergangenheit. Das Gedicht thematisiert die unterschiedlichen Perspektiven von Lebenden und Toten. Während die Lebenden noch in der Welt der Taten und des Schmerzes gefangen sind, haben die Toten eine erhabene, grenzenlose Sichtweise erlangt. Sie blicken von oben auf die Lebenden herab und sehen deren Schicksal als etwas Vergangenes, als ein Lächeln ihrer eigenen Vergangenheit. Das Gedicht vermittelt eine melancholische Stimmung, die den Schmerz der Lebenden und die Distanz der Toten betont. Die Sprache des Gedichts ist bildhaft und metaphorisch. Die Toten werden als "steil emporgestiegen" beschrieben, während die Lebenden "zur Tiefe sinken". Die "Flut des Abends" symbolisiert den Übergang vom Leben zum Tod. Die "Wanderschaft" der Toten ist "grenzenlos", was ihre Freiheit und Unabhängigkeit von den Zwängen der Welt der Lebenden ausdrückt. Das "uralte Lächeln" der Vergangenheit der Toten verleiht dem Gedicht eine nostalgische Note.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- stiegen steil empor
- Bildlichkeit
- Ihr Schmerzlichen, wenn ihr in schweren Taten Zur Tiefe sinkt
- Hyperbel
- Uns grenzenlos die Wanderschaft empfing
- Kontrast
- Wir stiegen steil empor, Da unserm Aufbruch keine Ziele standen
- Metapher
- Ihr Schmerzlichen, wenn ihr in schweren Taten Zur Tiefe sinkt
- Personifikation
- die Flut des Abends