Germania an ihre Kinder / Eine Ode
1813Die des Maines Regionen, Die der Elbe heitre Aun, Die der Donau Strand bewohnen, Die das Odertal bebaun, Aus des Rheines Laubensitzen, Von dem duftgen Mittelmeer, Von der Riesenberge Spitzen, Von der Ost und Nordsee her!
Horchet! - Durch die Nacht, ihr Brüder, Welch ein Donnerruf hernieder? Stehst du auf, Germania? Ist der Tag der Rache da?
Deutsche, mutger Völkerreigen, Meine Söhne, die, geküßt, In den Schoß mir kletternd steigen, Die mein Mutterarm umschließt, Meines Busens Schutz und Schirmer, Unbesiegtes Marsenblut, Enkel der Kohortenstürmer, Römerüberwinderbrut!
Zu den Waffen! Zu den Waffen! Was die Hände blindlings raffen! Mit der Keule, mit dem Stab, Strömt ins Tal der Schlacht hinab!
Wie der Schnee aus Felsenrissen: Wie, auf ewger Alpen Höhn, Unter Frühlings heißen Küssen, Siedend auf die Gletscher gehn: Katarakten stürzen nieder, Wald und Fels folgt ihrer Bahn, Das Gebirg hallt donnernd wider, Fluren sind ein Ozean!
So verlaßt, voran der Kaiser, Eure Hütten, eure Häuser; Schäumt, ein uferloses Meer, Über diese Franken her!
Alle Plätze, Trift′ und Stätten, Färbt mit ihren Knochen weiß; Welchen Rab und Fuchs verschmähten, Gebet ihn den Fischen preis; Dämmt den Rhein mit ihren Leichen; Laßt, gestäuft von ihrem Bein, Schäumend um die Pfalz ihn weichen, Und ihn dann die Grenze sein!
Eine Lustjagd, wie wenn Schützen Auf die Spur dem Wolfe sitzen! Schlagt ihn tot! Das Weltgericht Fragt euch nach den Gründen nicht!
Nicht die Flur ists, die zertreten, Unter ihren Rossen sinkt, Nicht der Mond, der, in den Städten, Aus den öden Fenstern blinkt, Nicht das Weib, das, mit Gewimmer,
Ihrem Todeskuß erliegt, Und zum Lohn, beim Morgenschimmer, Auf den Schutt der Vorstadt fliegt!
Euren Schlachtraub laßt euch schenken! Wenige, die sein gedenken. Höhrem, als der Erde Gut, Schwillt die Seele, flammt das Blut!
Gott und seine Stellvertreter, Und dein Nam, o Vaterland, Freiheit, Stolz der bessern Väter, Sprache, du, dein Zauberband, Wissenschaft, du himmelferne, Die dem deutschen Genius winkt, Und der Pfad ins Reich der Sterne, Welchen still sein Fittich schwingt!
Eine Pyramide bauen Laßt uns, in des Himmels Auen, Krönen mit dem Gipfelstein: Oder unser Grabmal sein!
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Interpretation
Das Gedicht "Germania an ihre Kinder" von Heinrich von Kleist ist eine patriotische Ode, in der Germania, die Personifikation Deutschlands, ihre Kinder auffordert, sich im Kampf gegen die Franken zu vereinen. Die Strophen sind in einem rhythmischen und kraftvollen Stil gehalten, der die Leidenschaft und den Mut der deutschen Völker zum Ausdruck bringt. Kleist verwendet eindrucksvolle Bilder und Metaphern, um die Stärke und Entschlossenheit der Deutschen zu veranschaulichen. So wird die Bewegung der Menschen zum Kampf mit einem tosenden Wasserfall verglichen, der alles in seinem Weg mitreißt. Die Verse sind voller Aufrufe zum Kampf und zur Verteidigung der Heimat, wobei der Kaiser als Anführer der deutschen Völker dargestellt wird. Das Gedicht endet mit einem Aufruf zur Errichtung einer Pyramide, die entweder als Triumphzeichen oder als Grabmal dienen soll. Dies unterstreicht die Opferbereitschaft und den Willen der Deutschen, für ihre Freiheit und ihr Vaterland zu kämpfen. Kleist verwebt in diesem Werk nationale Identität, historische Bezüge und patriotische Ideale zu einem eindringlichen Aufruf an die deutschen Völker, sich im Kampf zu vereinen.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Anapher
- Die des Maines Regionen, Die der Elbe heitre Aun, Die der Donau Strand bewohnen, Die das Odertal bebaun, Aus des Rheines Laubensitzen, Von dem duftgen Mittelmeer, Von der Riesenberge Spitzen, Von der Ost und Nordsee her!
- Apostrophe
- Deutsche, mutger Völkerreigen, Meine Söhne, die, geküßt, In den Schoß mir kletternd steigen, Die mein Mutterarm umschließt
- Hyperbel
- Fluren sind ein Ozean!
- Metapher
- Oder unser Grabmal sein
- Personifikation
- Steht du auf, Germania?
- Vergleich
- Wie der Schnee aus Felsenrissen