Geistliches Lied

Georg Trakl

1913

Zeichen, seltne Stickerein Malt ein flatternd Blumenbeet. Gottes blauer Odem weht In den Gartensaal herein, Heiter ein. Ragt ein Kreuz im wilden Wein.

Hör′ im Dorf sich viele freun, Gärtner an der Mauer mäht, Leise eine Orgel geht, Mischet Klang und goldenen Schein, Klang und Schein. Liebe segnet Brot und Wein.

Mädchen kommen auch herein Und der Hahn zum letzten kräht. Sacht ein morsches Gitter geht Und in Rosen Kranz und Reihn, Rosenreihn Ruht Maria weiß und fein.

Bettler dort am alten Stein Scheint verstorben im Gebet, Sanft ein Hirt vom Hügel geht Und ein Engel singt im Hain, Nah im Hain Kinder in den Schlaf hinein.

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Geistliches Lied

Interpretation

Das Gedicht "Geistliches Lied" von Georg Trakl beschreibt eine idyllische, spirituelle Szenerie, die von religiösen und natürlichen Elementen durchdrungen ist. Die Stickereien und das Blumenbeet deuten auf eine kunstvolle, fast andächtige Atmosphäre hin, die durch den "blauen Odem Gottes" noch verstärkt wird. Das Kreuz, das aus dem wilden Wein ragt, symbolisiert die Verbindung von Natur und Glauben, während die fröhlichen Dorfbewohner und der Gärtner an der Mauer eine harmonische Gemeinschaft darstellen. In der zweiten Strophe wird die Stimmung durch die leise Orgelmusik und das Mischen von Klang und goldenem Schein noch feierlicher. Die Liebe, die Brot und Wein segnet, verweist auf die christliche Eucharistie und unterstreicht die spirituelle Dimension des Gedichts. Die Mädchen, die hereinkommen, und der Hahn, der zum letzten Mal kräht, könnten den Übergang von Tag zu Nacht oder von Leben zu Tod symbolisieren. Die dritte Strophe bringt eine ruhige, fast meditative Stimmung. Maria, die in den Rosen ruht, steht als Symbol für Reinheit und Hingabe. Der Bettler am alten Stein, der im Gebet verstorben scheint, und der Hirte, der sanft vom Hügel geht, verleihen der Szene eine fast mystische Qualität. Der Engel, der im Hain singt und die Kinder in den Schlaf singt, rundet das Gedicht mit einem Hauch von himmlischer Ruhe und Geborgenheit ab.

Schlüsselwörter

geht herein wein klang schein hain zeichen seltne

Wortwolke

Wortwolke zu Geistliches Lied

Stilmittel

Alliteration
Gottes blauer Odem weht
Bildlichkeit
Malt ein flatternd Blumenbeet
Hyperbel
Kinder in den Schlaf hinein
Kontrast
Maria weiß und fein
Metapher
Gottes blauer Odem
Onomatopoesie
Kräht
Parallelismus
Klang und Schein
Personifikation
Gottes blauer Odem weht
Symbolik
Kreuz im wilden Wein
Synästhesie
Mischet Klang und goldenen Schein