Geistige Landschaft
1895Wenn nachtgangs nun dich gütig Mond begleitet, Der Himmel sich für dich mit Sternen schmückt Und dich der dünne Nebelrauch entzückt, Ein silbrig Netz aufs Ährenfeld gebreitet,
Ist es umsonst, dass dich mein Lied geleitet: Dem Duft der Gärten bist du so entrückt Und siehst von Regenbögen überbrückt Dein Sehnsuchtsland in langem Traum bereitet.
Ein Trunkner, dem Berauschtsein widerstreitet, Bleib ich zum Wunderbrunnen tief gebückt - Sternspiegel, dessen Zauber mich erdrückt! -
Forschend und formend, lust- und qualzerstückt, Nur hoffend Herz und gülden übersaitet Von deinem Glück, das mir nie ganz geglückt.
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Interpretation
Das Gedicht "Geistige Landschaft" von Hans Schiebelhuth handelt von der Sehnsucht des lyrischen Ichs nach einer geliebten Person, die in einer idealisierten, traumhaften Welt versunken ist. Der Mond und die Sterne begleiten die Geliebte auf ihrem nächtlichen Gang durch eine neblige, silbrig schimmernde Landschaft. Das lyrische Ich versucht vergeblich, sie mit seinem Lied zu erreichen, doch sie ist so sehr in den Düften der Gärten und dem Anblick der Regenbögen versunken, dass es sie nicht erreichen kann. Das lyrische Ich fühlt sich wie ein Trunkener, der dem Berauschen widerstrebt, aber dennoch am Wunderbrunnen verweilt, der ein Spiegel der Sterne ist und es mit seinem Zauber erdrückt. Es sucht und formt, voller Lust und Qual, und hofft sehnsüchtig auf das Glück der Geliebten, das ihm selbst nie ganz gelungen ist. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung von Melancholie, Unerreichbarkeit und unerfüllter Liebe.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Herz übersaitet von deinem Glück
- Personifikation
- Der Mond begleitet dich gütig