Geiß und Schleiche
1871Die Schleiche singt ihr Nachtgebet, die Waldgeiß staunend vor ihr steht.
Die Waldgeiß schüttelt ihren Bart wie ein Magister hochgelahrt.
Sie weiß nicht, was die Schleiche singt, sie hört nur, daß es lieblich klingt.
Die Schleiche fällt in Schlaf alsbald. Die Geiß geht sinnend durch den Wald.
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Interpretation
Das Gedicht "Geiß und Schleiche" von Christian Morgenstern erzählt von einer Begegnung zwischen einer Waldgeiß und einer Schleiche in der Nacht. Die Schleiche singt ihr Nachtgebet, während die Waldgeiß staunend vor ihr steht. Die Geiß schüttelt ihren Bart wie ein Magister, der etwas Gelehrtes hört, aber nicht versteht. Sie weiß nicht, was die Schleiche singt, hört aber nur, dass es lieblich klingt. Die Waldgeiß wird als weise und gelehrt dargestellt, aber auch als naiv und unwissend. Sie kann die Sprache der Schleiche nicht verstehen, obwohl sie sie hört. Die Schleiche hingegen ist in ihrer Welt versunken und fällt bald in Schlaf. Die Waldgeiß geht danach sinnend durch den Wald, vielleicht über das Erlebte nachdenkend. Das Gedicht thematisiert die Unterschiede zwischen den beiden Tieren und ihre Unfähigkeit, sich gegenseitig zu verstehen. Es zeigt aber auch, dass Schönheit und Harmonie auch ohne Verstehen erfahrbar sind. Die Waldgeiß hört die liebliche Stimme der Schleiche, auch wenn sie deren Bedeutung nicht begreift.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- schüttelt ihren Bart
- Enjambement
- Die Schleiche fällt in Schlaf alsbald. Die Geiß geht sinnend durch den Wald
- Kontrast
- Die Schleiche singt ihr Nachtgebet, die Waldgeiß staunend vor ihr steht
- Personifikation
- Die Schleiche singt ihr Nachtgebet
- Vergleich
- wie ein Magister hochgelahrt