Geh unter, schöne Sonne...
1800Geh unter, schöne Sonne, sie achteten Nur wenig dein, sie kannten dich, Heilge, nicht, Denn mühelos und stille bist du Über den Mühsamen aufgegangen.
Mir gehst du freundlich unter und auf, o Licht! Und wohl erkennt mein Auge dich, Herrliches! Denn göttlich stille ehren lernt ich, Da Diotima den Sinn mir heilte.
O du des Himmels Botin! wie lauscht ich dir! Dir, Diotima! Liebe! wie sah von dir Zum goldnen Tage dieses Auge Glänzend und dankend empor. Da rauschten
Lebendiger die Quellen, es atmeten Der dunkeln Erde Blüten mich liebend an, Und lächelnd über Silberwolken Neigte sich segnend herab der Aether.
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Interpretation
Das Gedicht "Geh unter, schöne Sonne..." von Friedrich Hölderlin ist ein Loblied auf die Sonne und die Liebe. Der Sprecher beschreibt, wie die Sonne für die meisten Menschen unbedeutend und unerkannt bleibt, da sie mühelos und still über die Mühsamen aufgeht. Doch für den Sprecher selbst ist die Sonne ein Freund, der ihn freundlich unter- und aufgehen lässt. Er erkennt die Herrlichkeit der Sonne und hat gelernt, göttlich still zu ehren, da Diotima seinen Sinn heilte. Diotima wird als Himmelsbotin und als Liebe bezeichnet. Der Sprecher lauscht ihr aufmerksam und dankt ihr für die Erleuchtung, die er durch sie erfahren hat. Sein Auge leuchtet und blickt dankend zum goldenen Tag empor. Durch Diotima werden die Quellen lebendiger, die Blüten der dunklen Erde atmen den Sprecher liebend an, und der Äther neigt sich lächelnd über Silberwolken herab und segnet ihn. Das Gedicht drückt eine tiefe Verbundenheit mit der Natur und der Liebe aus. Hölderlin vermittelt eine spirituelle Erfahrung, in der die Sonne, Diotima und die Natur eine heilende und erhebende Wirkung auf den Sprecher haben. Es ist ein Lobgesang auf die Schönheit und die transformative Kraft von Licht, Liebe und Natur.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Neigte sich segnend herab der Aether
- Personifikation
- Geh unter, schöne Sonne