Geh nicht vor mir...
1899Geh nicht vor mir in dieses unbesungne In dieses dunkle Reich, das Keiner kennt; Damit Dein Name, dieser lang verklungne, Wenn ich ihn ruf, noch Dich mit Namen nennt.
Vertausche nicht Dein Angesicht mit jenen Veränderlichen aus dem fremden Kreis, Die oft im Traum vorübergehn und denen Ich keinen Gruß und keinen Wunsch mehr weiß.
Laß mich beim Brot gedenken und beim Wein, Daß Du noch glühst, laß nicht mit Schatten-Speise, Mit Blut und Mehl verstohlen her Dich rufen,
Wie man Geschiedne ruft: es steigt ihr Schein Und ihre unsichtbare Sohle leise Erdwärts herauf die ungeheuren Stufen.
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Interpretation
Das Gedicht "Geh nicht vor mir..." von Maria Luise Weissmann handelt von der Angst vor dem Verlust eines geliebten Menschen und dem Wunsch, die Verbindung zu ihm auch über den Tod hinaus aufrechtzuerhalten. Die Sprecherin bittet den Geliebten, nicht vor ihr in das unbekannte Reich des Todes zu gehen, damit sein Name und seine Identität in ihrer Erinnerung bewahrt bleiben. In den zweiten beiden Strophen wird die Furcht vor dem Vergessen und der Veränderung zum Ausdruck gebracht. Die Sprecherin bittet den Geliebten, nicht mit den fremden und veränderlichen Wesen des Jenseits verwechselt zu werden, die ihr im Traum erscheinen und denen sie nichts mehr zu sagen hat. Sie möchte sich weiterhin an ihn erinnern können, wenn sie Brot und Wein zu sich nimmt, als Symbole für das Leben und die Gemeinschaft. Der letzte Vers des Gedichts verwendet eine eindringliche Metapher, um die Gefahr des Vergessens zu verdeutlichen. Die "unsichtbare Sohle" des Geliebten steigt auf den "ungeheuren Stufen" herauf, was darauf hindeutet, dass er allmählich aus der Erinnerung der Sprecherin verschwindet und in die Ferne rückt. Das Gedicht endet mit einem Appell an den Geliebten, sich nicht von ihr zu entfernen und die Verbindung zwischen ihnen nicht abreißen zu lassen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- ungeheuren Stufen
- Personifikation
- daß Dein Name... noch Dich mit Namen nennt