Geh′ du nur hin

Adelbert von Chamisso

1827

Ich war auch jung und bin jetzt alt, Der Tag ist heiß, der Abend kalt, Geh′ du nur hin, geh du nur hin, Und schlag dir solches aus dem Sinn.

Du steigest hinauf, ich steige hinab, Wer geht im Schritt, wer geht im Trab? Sind dir die Blumen eben recht, Sind doch sechs Bretter auch nicht schlecht.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Geh′ du nur hin

Interpretation

Das Gedicht "Geh′ du nur hin" von Adelbert von Chamisso ist eine reflektierende Betrachtung über die Vergänglichkeit des Lebens und die Unvermeidlichkeit des Alterns. Der Sprecher, der selbst einst jung war und nun alt ist, erinnert sich an die Hitze des Tages und die Kälte des Abends, was als Metapher für die Höhen und Tiefen des Lebens stehen kann. Er rät dem Adressaten, sich von bestimmten Gedanken oder Bestrebungen zu lösen, was auf eine Weisheit hindeutet, die durch die Erfahrung des Alters gewonnen wurde. Die zweite Strophe kontrastiert die Bewegung des Sprechers mit der des Adressaten. Während der Sprecher absteigt, steigt der Adressat auf, was den natürlichen Lauf des Lebens symbolisieren könnte, bei dem die Jungen aufsteigen und die Alten absteigen. Die Frage nach dem Schritt oder Trab könnte die unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Lebensrhythmen der Generationen darstellen. Die Erwähnung der Blumen und der sechs Bretter könnte auf die Vergänglichkeit von Schönheit und die Endgültigkeit des Todes anspielen, wobei die "sechs Bretter" eine Anspielung auf den Sarg sein könnten. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Botschaft der Akzeptanz und der Weisheit, die mit dem Alter einhergeht. Der Sprecher scheint dem Adressaten zu raten, die Realität des Lebens und des Todes zu akzeptieren und sich nicht zu sehr an vergänglichen Dingen zu erfreuen oder zu leiden. Die Kürze und die bildhafte Sprache des Gedichts verstärken die Tiefe seiner Reflexionen über das Leben und die menschliche Existenz.

Schlüsselwörter

geh hin geht jung alt tag heiß abend

Wortwolke

Wortwolke zu Geh′ du nur hin

Stilmittel

Kontrast
Der Gegensatz zwischen 'jung' und 'alt', sowie 'heiß' und 'kalt' wird genutzt, um die Vergänglichkeit der Zeit zu verdeutlichen.
Metaphorik
Die 'sechs Bretter' am Ende der zweiten Strophe symbolisieren das Grab oder den Tod als Alternative zum Leben.
Reimschema
Das Gedicht folgt einem einfachen AABB-Rhythmus, wobei die Zeilen in jeder Strophe paarweise reimen.
Rhetorische Frage
Die Frage 'Wer geht im Schritt, wer geht im Trab?' regt zum Nachdenken über den Lebensrhythmus an.
Wiederholung
Die Phrase 'Geh′ du nur hin, geh du nur hin' wird wiederholt, um die Botschaft zu betonen.