Geh'! du kannst ja doch nicht bleiben

Friedrich Rückert

1834

Geh′! du kannst ja doch nicht bleiben; Warum willst du gleich nicht gehn? Warum willst du länger leiden, Ringen noch mit Todeswehn? Geh′, der Schwester nachzueilen, Laß sie so allein nicht gehn! Willst du nicht das Bettchen theilen, Das ihr dort ist ausersehn? Säumst du lang? An ihrer Seiten Wird das Plätzchen dir entgehn; Denn viel Knäbchen deinesgleichen Sind′s, die jetzo schlafen gehn. Und es wird dir keines weichen, Deinetwegen keins aufstehn, Wenn sie ihm den Platz bereiten Neben deinem Schwesterchen. Helfen wird dir dann kein Streiten, Dann wird helfen dir kein Flehn, Daß du sagest: Rück′ bescheiden! Denn ich bin das Brüderchen. Darum lieber geh′ beizeiten, Weil es einmal muß geschehn! Und es wird uns Trost ertheilen, Wenn wir auf den Kirchhof gehn, Ja, es wird das Herz uns heilen, Wenn bei Frühlingslüfte-Wehn,

Eingefaßt von Blumenzeilen Wir dort eure Gräber sehn So vereint, wie eure beiden Bettchen in der Kammer stehn: Auch der Tod kann euch nicht scheiden, Ihr zwei Unzertrennlichen!

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Illustration zu Geh'! du kannst ja doch nicht bleiben

Interpretation

Das Gedicht "Geh'! du kannst ja doch nicht bleiben" von Friedrich Rückert handelt von dem Tod eines Kindes und der damit verbundenen Trauer der Eltern. Der Sprecher appelliert an das sterbende Kind, zu gehen und seiner bereits verstorbenen Schwester zu folgen, da es ohnehin nicht bleiben kann. Die Eltern werden durch den Tod ihrer Kinder getröstet, da sie sich vorstellen, dass die beiden Kinder im Jenseits vereint sind und sich nicht mehr voneinander trennen müssen. Das Gedicht ist in einem melancholischen und traurigen Ton gehalten, der die tiefe Trauer der Eltern widerspiegelt. Der Sprecher versucht, das sterbende Kind zu überzeugen, dass es besser ist, zu gehen und seiner Schwester zu folgen, anstatt noch länger zu leiden. Die Vorstellung, dass die beiden Kinder im Jenseits vereint sind, gibt den Eltern Trost und Hoffnung, dass sie ihre Kinder wiedersehen werden. Das Gedicht endet mit der Vorstellung, dass der Tod die beiden Kinder nicht trennen kann, da sie im Jenseits vereint sind. Die Eltern stellen sich vor, dass die beiden Kinder auf dem Friedhof nebeneinander begraben liegen und von Blumen umgeben sind. Diese Vorstellung gibt den Eltern Trost und Hoffnung, dass ihre Kinder im Jenseits glücklich und vereint sind.

Schlüsselwörter

gehn geh willst warum bettchen helfen kein kannst

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Stilmittel

Alliteration
Säumst du lang? An ihrer Seiten
Anapher
Geh'! du kannst ja doch nicht bleiben; Warum willst du gleich nicht gehn? Warum willst du länger leiden, Ringen noch mit Todeswehn?
Hyperbel
Viel Knäbchen deinesgleichen
Kontrast
Auch der Tod kann euch nicht scheiden, Ihr zwei Unzertrennlichen!
Metapher
Todeswehn
Personifikation
Und es wird dir keines weichen
Rhetorische Frage
Warum willst du gleich nicht gehn?
Symbolik
Kirchhof